276  l.chrgebiet  und  L.chrbetrieb.

Erst  von  der  Mitte  des  vorigen  Jahrhunderts  an  läßt  sich  die
allmähliche  Trennung  der  nur  durch  das  äußcrliche  Moment  der
steinartigen  Beschaffenheit  des  Untersuchungsmaterials  geeinten,  in
ihren  Untersuchungsmethoden  grundsätzlich  verschiedenen  Wissenschaften
  Mineralogie  (mit  Kristallographie  und  Petrographie)  von  der
Geologie  nachweisen.  Wenn  in  der  Petrographie*)  beide  einige
Berührungspunkte  aufweisen,  so  besitzt  die  Geologie  doch  in  sich
einen  im  wesentlichen  zwiespältigen  Charakter  und  schr  vielseitige
Arbeitsmethoden  mit  ihren  Formen  der  Gebirgs-  und  l'lachlandsgcologie
  (geologisch-agronomische  Boden-Untersuchung).  Die  Untersuchungen
  und  kartographischen  Aufnahmen  im  Felde  zeigen  vielc
Beziehungen  zu  Geographie.  Während  aber  die  Geschichte  der  Erde
spezielle  Aufgabe  der  Geologie  bleibt,  ist  z.  B.  bei  der  Forschung
über  Gletscher-,  Seen  und  Talbildung  eine  natürliche  Grenze  gegen
die  physische  Geographie  nicht  vorhanden.  AÄndrerseits  zeigt  die
Paläontologie  die  engsten  Beziehungen  zu  den  biologischen  Disziplinen
Zoologie  und  Botanik,  vergleichender  Anatomie  und  FE.ntwicklungsgeschichte.
  Die  mit  der  Ausbildung  der  Wissenschaften  steigenden
Anforderungen  sind  also  besonders  umfassend  bei  den  in  Deutschland
  ungetcilten  Instituten  bezw.  Professuren  für  Geologie  und
Paläontologie.**)  Schr  viel  einheitlicher  ist  demgegenüber  Aufgabe
und  Arbeitsmethode  der  Institutsdircktoren  für  Mineralogie:  AIlgemeine
  (d.  h.  chemische  und  kristallographische)  Mineralogie  und
systematische  Mineralogie  cinerseits  und  mikroskopische  Untersuchung
von  Mineralien  und  Gesteinen  andrerseits,

Die  Institute,  die  Arbeitsstätten  für  die  genannten  Wissenschaften
sind  z.  T.  noch  jüngeren  Ursprunges  als  die  Lehraufträge  und  meist
gleich  als  integrierende  Teile  der  Universitäten  entstanden,  zuweilen
(Berlin  und  München)  allerdings  auch  aus  den  großen  Staatsmuseen
hervorgewachsen:  z.  B.  lag  das  alte  mineralogische  und  das  allmählich

*)  Die  Methode  derselben  ist  physikalisch  und  chemisch,  d.h.  die  der  Mineralogie,
während  die  Ergebnisse  fast  ausschließlich  der  Geologie  zugute  kommen.  Die  Begründer
der  jetzt  an  allen  Universitäten  gebräuchlichen  physikalischen  Gestei  L  h
waren  Vogelsang  (1838  —1874,  zuerst  Privatdozent  in  Bonn,  dann  Professor  in  Delft)  und
Zirkel  (Ordinarius  seit  1879  in  Leipzig).  Der  weitere  Ausbau  knüpft  an  den  Namen
Rosenbusch,  Prof.  in  Ileidelberg.

**)  Die  Verteilung  des  Lehrstofles  findet  meist  derart  statt,  daß  abwechselnd  Geologie
tallgemeine  historische)  und  Paläontologie  als  llauptkolleg  gelesen  wird.  Empfehlenswerter
  ist  wahrscheinlich  eine  Trennung  derart,  daß  die  allgemeine  tuder  dynamische)
Geologie  regelmäßig  im  W.-S.,  historische  Geologie  und  Paläontologie  alternierend  in  den  S.-S.
gelesen  wird.