Philosophische  Fakultät:  Mineralogie.  Geologie.  Paläontologie.  377

selbständig  werdende  paläontologische  Museum  in  Berlin  stets  im  Ostlügel
  des  Universitätsgebäudes  und  enthielt  auch  den  Hörsaal  von
G.  Rose  und  Beyrich.  Doch  waren  die  genannten  Professoren  nur
in  Personalunion  auch  Direktoren  der  betreffenden  kgl.  Museen  und
der  eigentlichen  Institute.  Erst  seit  1886,  d.  h.  bei  der  Übersiedelung
in  den  Neubau  des  Museums  für  Naturkunde  wurden  die  Universitätsvorlesungsräume
  organisch  mit  den  Instituten,  den  eigentlichen  Arbeitsstätten
  und  den  Hauptsammlungen  vereinigt,  während  das  Schaumuseum
  jetzt  erst  für  das  Publikum  geöffnet  wurde.

Eine  ganz  analoge  Vereinigung  einer  großen  paläontologischen
Staatssammlung  mit  dem  Studien-Institut  der  Universität  zeigt  München,
wo  auch  die  Trennung  der  mit  der  Chemie  verbundenen  Mineralogie
und  Geologie  in  ganz  analoger  Weise  erfolgte.

Durch  diese  verständige  Vereinigung  wurden  die  Mißstände  vermieden,
  die  in  anderen  Weltstädten  (Paris  und  Wien)  durch  Trennung
der  lediglich  denı  Unterricht  gewidmeten  Universitätsinstitute  und  der
sroßen  naturwissenschaftlichen  Muscen  bedingt  wurden.

Eine  Anzahl  der  mittleren  Universitäten  eiferte  in  der  Ausdehnung
  der  Sammlungen*)**)  den  beiden  genannten  Museen  nach.
Doch  ist  wohl  nur  selten  (so  ın  Breslau)  das  mit  dem  Universitätsinstitut
  verbundene  geologisch-paläontologische  bezw.  mincralogische
Museum  gleichzeitig  für  das  große  Publikum  zugänglich.

Die  Trennung  der  Lehraufträge  ist  auch  mehrfach  nur  derartig
durchgeführt,  daß  cin  Ordinariat  und  ein  Extraordinariat  in  unregelmäßigem
  Wechsel  für  Mineralogie  bezw.  Geologie  und  Paläontologie
bestimmt  wurden.  Die  Absonderung  ist  jetzt  auf  den  preußischen
Universitäten  überall***,,  auf  den  übriggren  deutschen  Universitäten  später
mit  4  Ausnahmen  (Rostock,  Erlangen,  Gießen,  Tübingen)  durchgeführt.
  Die  letzte  Trennung  erfolgte  in  Leipzig.

Die  Möglichkeit,  die  zahlreichen  Aufgaben  zu  lösen,  welche  die
Mannigfaltigkeit  der  Untersuchungsmethoden  aufstellt,  wird  ganz  wesent-*,

  In  Tübingen  bestand  z.  B.  unter  Quenstedi  1837—1890  nur  eine  Sammlung,
kein  Institut,  das  erst  unter  Branco  1891  —9%  angelegt,  und  unter  Koken  (seit  1895)
wesentlich  erweitert  wurde  (2  Assistenten,  2  Diener).

**)  Auch  die  Entstehung  des  jetzt  in  einem  stattlichen  Neubau  untergebrachten
Straßburger  Instituts  besitzt  ihren  besonderen  Charakter.  Den  Grundstock  bildet  die  1872
geschenkte  Privatsammlung  des  bei  der  Begründung  berufenen  Lehrers  (Professor  Benecke).
Dazu  trat  1880  der  geologische  und  palaontologische  Teil  des  Siraßburger  städt.  Museums.

**°)  \lit  Ausnahme  von  Münster.  Wohl  am  frühesten  —  nach  Berlin  —  erfolgte
die  Trennung  in  Göttingen,  wo  K.  v.  Seebach  1862  zum  Extraordinarius  und  1870  zum
Ordinarius  für  Geologie  und  Paläontologie  ernannt  wurde.