XV.  Botanik  und  Zoologie.

Botanik  und  Zoologie  bilden  mit  den  mineralogischen  Disziplinen
die  sogenannten  beschreibenden  Naturwissenschaften.  Da  jene  indes
lebendige  Wesen  zum  Objekt  haben,  diese  aber  die  leblose  Erdrinde,
schen  Forschungs-  und  Unterrichtsmethoden  beider  weit  auseinander.
Um  so  enger  sind  die  Beziehungen  zwischen  Botanik  und  Zoologie,
sodaß  eine  einheitliche  Darstellung  ihrer  Unterrichtsmittel  und
Forschungsanstalten  sich  aus  verschiedenen  Gesichtspunkten  empfiehlt.

Mit  Recht  werden  Botanik  und  Zoologie  aufgefaßt  als  Teile
einer  einheitlichen  Wissenschaft,  der  Biologie.  In  der  Anckdote,
wonach  ein  Kandidat,  im  Examen  nach  den  Unterschieden  zwischen
Tier  und  Pflanze  gefragt,  antwortete:  Tiere  sind  die  Dinge,  mit  denen
sich  die  Zoologen,  Pflanzen  die,  mit  denen  sich  die  Botaniker  beschäftigen,
  liegt  cin  tieferer,  wohl  begründeter  Sinn.  Denn  eine
scharfe  Grenzlinie  zwischen  Tierreich  und  Pflanzenreich  kann  nur
konventionell  gezogen  werden;  Botanik  und  Zoologie  sind  nach  dem
Prinzip  der  Arbeitsteilung  abgegrenzte  Disziplinen  eines  großen,  zusammenhängenden
  Gebictes,  der  Biologie.  Wenn  Linne  Tier-  und
Pflanzenreich  definierte:  plantae  crescunt  et  vivunt,  animalia  crescunt,
vivunt  ct  sentiunt,  so  ist  diese  Definition  nicht  nur  längst  unhaltbar
geworden,  sondern  heutzutage  versucht  man  überhaupt  nicht  mehr,
eine  knappe  Definition  des  Pflanzen-  und  Tierbegriffes  zu  geben.  Je
tiefer  die  Forschung  cindrang  bei  ihrer  Analyse  der  l.ebenserscheinungen,
  um  so  mehr  sah  sie  sich  zu  der  Anerkennung  gezwungen,
daß  die  Grundlagen  des  I.cbens  bei  Pflanzen  und  Tieren  identisch
sind;  daß  cs  bei  den  höheren  Pflanzen  und  den  höheren  Tieren  die
Ausbildung  von  Sondereigenschaften  ist,  die  ihnen  ein  so  eigenartiges
Gepräge  verleiht.

Wie  die  Wissenschaft  der  Biologie  in  ununterbrochenem  Flusse
begriffen  ist,  so  ändern  sich  auch  fortwährend  die  Methoden  des  biologischen
  Unterrichts  an  den  Universitäten,  da  sic  sich  den  Fort-