Philosophische  Fakultät:  Botanik  und  Zoologie.  2973

Die  Entwicklung  der  Zoologie  an  den  Universitäten  zeigte  einen
ähnlichen  Verlauf.  Insofern  lagen  allerdings  die  Verhältnisse  etwas
anders,  als  die  zur  medizinischen  Fakultät  gchörigen  Inhaber  der
Professuren  für  Anatomie  und  Physiologie  des  Menschen  vielfach
größere  oder  kleinere  Abschnitte  des  Tierreichs  zum  Gegenstände
ihrer  Forschung  machten,  so  daß  auch  nach  dem  Prinzip  der  Arbeitsteilung
  die  Zoologen  mehr  bei  («ler  Systematik  bleiben  konnten,  sofern
nicht  der  zoologische  I.ehrstuhl  mit  einer  jener  Professuren  durch
Personalunion  schon  verbunden  war.  Doch  hörte  letzteres  mit  der
Zeit  ganz  auf;  die  Zoologie  crhielt  an  allen  Universitäten  selbständige,
der  philosophischen  Fakultät  angehörige  Vertreter.  Allcin  wie  in  der
Botanik,  übte  auch  auf  die  jüngeren  Zoologen  die  anatomisch-physiologische
  Richtung  eine  überwiegende  Anziehungskraft  aus.  Die  großen
Fortschritte  der  Zellenlchre,  die  zunehmend  erkannte  Wichtigkeit  der
Entwicklungsgeschichte,  der  Umstand,  daß  an  die  Erforschung  der
niedersten  Tiere  überhaupt  ohne  Mikroskop  nicht  gedacht  werden  kann,
endlich  die  bedeutsamen  Aufgaben  der  vergleichenden  Physiologie
führten  die  jüngeren  Zoologen  in  ihrer  großen  Mehrheit  ins  anatomisch-physiologische
  Iager.  Überall  wurden  zoologische  L.aboratorien
  errichtet,  und  das  Interesse  an  den  Museen  trat  in  den
Hintergrund.  Nur  wo  die  persönlichen  Neigungen  des  Professurs
nach  dieser  Seite  gingen,  fanden  sie  Förderunge.

So  haben  sich  die  tatsächlichen  Zustände  der  Gegenwart  in  beiden
Wissensgebieten  nach  und  nach  übereinstimmend  entwickelt.

In  beiden  großen  Zweigen  der  Biologie,  in  der  Botanik  wie  in
der  Zoologie,  dienen  als  Uhnterrichtsmittel  für  Vorlesungen,  Kurse
und  Anleitung  zu  eigenen  wissenschaftlichen  Arbeiten  der  Studierenden
  Sammlungen  und  L.aboratorien.

Unter  den  Sammlungen  sei  in  erster  Linie  der  für  den  Gebrauch
der  Dozenten  und  Studierenden  innerhalb  des  Instituts  bestimmten
Handbibliotheken  gedacht,  deren  Wichtigkeit  eine  hervorragende
ist.  Ich  meinerscits  habe  den  Erlaß  des  Ministeriums  freudig  begrüßt,
durch  den  ein  Ausleihen  der  Bücher  jener  Handbibliotheken  an  Dozenten
  und  Studierende  untersagt  ist;  diese  Bücher  sollen  im  Institut
selbst  benutzt  und  verglichen  werden;  die  Studierenden  werden  hierdurch
  daran  gewölnt,  sich  unter  den  Augen  und  unter  Anleitung  der
Dozenten  mit  den  Büchern  zu  beschäftigen.  Damit  ist  die  Auswahl
der  für  die  Handbibliotheken  anzuschaffenden  Bücher  im  allgemeinen
bestimmt:  ces  kommen  in  Betracht  die  wichtigeren  Zeitschriften  und
botanischen  oder  zoologischen  Handbücher;  an  Monographien  außer-