Y86  Lehrgebiet  und  Lehrberrieb.

daneben  natürlich  auch  nicht  entbehrt  werden  können.  Endlich  sind
die  botanischen  Gärten  in  unseren  Tagen  zu  wissenschaftlich  unentbehrlichen
  Versuchsfeldern  geworden  über  Rassebildung  bei  Pflanzen,
über  die  so  wichtigen  Erscheinungen  bei  Bastardierung,  über  die  Abhängigkeit
  der  Pflanzenformen  von  äufßseren  Finflüssen.  Es  ist  daher
ein  schönes  Zeichen  allseitigen  Verständnisses  einer  wissenschaftlichen
Aufgabe  bei  Fachleuten,  Regierung  und  Parlament,  daß  man  für  die
Gründung  des  neuen  botanischen  Gartens  bei  Berlin  kein  Opfer  und
keine  Mittel  geschcut  hat.

Durch  ihre  viclseitire  Inanspruchnahme  führen  die  botanischen
Gärten  unmittelbar  hinüber  zu  den  eigentlichen  Arbeitsinstituten,
den  botanischen  und  zoologischen  Laboratorien  unserer  Uhniversitäten.


Schon  die  botanischen  Laboratorien  können  besonderer  Einrichtungen
  für  Pflanzenkulturen  zu  wissenschaftlichen  Arbeiten  nicht  entbehren,
  Gartenland  und  Gewächshäuser  reichen  dafür  nicht  aus;  insbesondere
  gilt  das  von  Kulturen  der  Algen,  Pilze,  Bakterien.  Aquarien,
\Wärmeschränke  (Thermostaten)  und  Kälteschränke  (mit  Fis)  sowie
Dunkelräume  sind  unentbchrliche  Hilfsmittel.  Auch  die  Kulturen  in
wässerigen  Nährlösungen  werden  häufig  lieber  in  den  leichter  kontrollierbaren
  Laboratorien  ausgeführt  als  in  den  Gewächshäusern.
Noch  wichtiger  sind  derartige  Hilfsmittel  für  die  zoologischen  Laboratorien,
  da  ihnen  die  Unterstützung  durch  zoologische  Gärten  meist
fehlt,  und  die  wichtigsten  Züchtungsversuche  in  diesen  auch  nicht
ausgeführt  werden  können.  Darum  spielen  hier  Brutöfen  für  die
höheren,  besonders  aber  ‚Aquarien  mit  süßem  und  salzigem  Wasser
für  die  niederen  Tiere  eine  so  große  Rolle.  Den  zoologischen  Anstalten
  in  Helgoland,  Rovigno,  Neapel  fällt  dann  vielfach  eine  ähnliche
Aufgabe  zu  wie  den  Gärten  für  die  botanischen  Laboratorien,  inden
sie  wichtige  Tierformen  den  Aquarien  der  zoologischen  Institute  liefern.

Was  im  übrigen  die  Kinrichtung  der  Institute  anlangt,  soweit  sie
als  wissenschaftliche  I.aboratorien  in  Betracht  kommen,  läßt  sich  dieselbe
  gliedern  in  eine  anatomisch-morphologische  Abteilung  und  in
eine  physiologische,  die  naturgemäß  räumlich  nicht  streng  geschieden
zu  sein  brauchen.

In  der  ersteren  ist  das  Mikroskop  mit  allem  Zubehör  das
herrschende  Instrument,  von  der  cinfachen  Stativlupe  bis  zu  den  vollkommensten
  z  ngesetzten  Mikroskopei,  welche  die  auf  diesem
Gebiete  soweit  vorgeschrittene  Technik  zu  liefern  vermag.  Zuerst
gilt  es  da  für  das  Institut  über  cine  hinrcichend  große  Zahl  von  An-