Philosophische  Fakultät:  Landwirtschaft.  23097

Studium  gehört  allerdings  auch  das  eigene  ‚Arbeiten  in  einem  oder
mehreren  der  vorhandenen  Zweiginstitute  oder  Laboratorien  wie  dem
agrikultur-chemischen  und  dem  physiologischen.

Die  weit  überwiegende  Mehrheit  der  studierenden  l.andwirte
sind  Reichsdeutsche,  also  Inländer  im  weiteren  Sinne  des  Wortes.
Fin  nicht  ganz  geringes  Kontingent  stellt  auch  die  österreichische
Monarchie  und  demnächst  Rußland,  letzteres  besonders  aus  seinen
Östsceprovinzen  und  seinen  polnischen  TLandesteilen.  In  dem  letzten
Jahrzehnt  hat  sich  die  Zahl  der  aus  den  Balkanländern  kommenden
Studierenden  nicht  unerheblich  geniehrt.  Auch  andere  europäische
Staaten,  wie  Schweden,  England,  Frankreich,  Griechenland,
sind  unter  den  Studierenden  der  Landwirtschaft  vertreten.  Aus  nichteuropäischen
  Gebieten  finden  sich  unter  ihnen  besonders  Nord-  oder
Südamerikaner  und  Japaner.  Über  den  Zweck,  weshalb  Ausländer
  auf  unseren  Universitäten  Landwirtschaft  studieren,  kann  im
allgemeinen  gesagt  werden,  daß  dieselben  sich  darüber  informieren
wollen,  was  die  deutsche  Wissenschaft  über  die  Landwirtschaft  lchrt
und  wie  im  Deutschen  Reich  der  landwirtschaftliche  Betrieb  gehandhabt
  wird.  Der  vorstehende  Satz  kann  zwar  auch  für  die  Inländer
Anwendung  finden;  aber  unter  diesen  lassen  sich  doch  verschiedene
Gruppen  unterscheiden,  deren  jede  ein  besonderes  Ziel  verfolgt.
Eine  derselben  wird  gebildet  von  jungen  Männern,  die  später  ein  ererbtes
  oder  erkauftes  oder  gepachtetes  großes  Gut  bewirtschaften
wollen.  Es  sind  dies  meistenteils  Söhne  von  Großgrundbesitzern  oder
Domänenpächtern,  auch  von  wohlhabenden  Industriellen  oder  Kaufleuten.
Ihnen  schließen  sich  in  stetig,  sowohl  absolut  wie  prozentisch  wachsender
Zahl  Söhne  von  groß-  oder  selbst  mittelbäuerlichen  Besitzern  an,
die  einmal  das  väterliche  oder  ein  anderes  bäucrliches  Gut  zu  übernehmen
  hoffen.  In  mancher  Beziehung  zwischen  beiden  Gruppen
stehen  diejenigen,  welche  aus  Mangel  an  materiellen  Mitteln  zunächst
nur  die  Erlangung  einer  Stelle  als  Verwalter  oder  Inspektor  in  einer
Gutswirtschaft  ins  Auge  fassen  zu  dürfen  glauben.  Viele  von  ihnen,
namentlich  die  tüchtigeren,  werden  dann  später  Guts-dministratoren
oder  Dircktoren;  andere  sparen  im  Laufe  der  Jahre  so  viel,  dafs  sie
ein  Gut  pachten  oder  gar  kaufen  können.  Yndlich  findet  sich  unter
den  studierenden  Landwirten  noch  eine  vierte  Gruppe,  deren  Zahl
ebenfalls  von  Jahr  zu  Jahr  wächst  und  deren  Mitglieder  sich  im  allgemeimen
  durch  Fleiß  und  Strebsamkeit  auszeichnen.  Es  sind  dies
junge  Leute,  welche  J.chrer  der  l.andwirtschaft.  werden  wollen  oder
als  Beamte  bei  Landwirtschaftskammmern  oder  sonstigen  Jandwirtschaft-