Philosophische  Fakultät:  Forstwirtschaft.  303

waltungsbeamten  mit  hoher  wissenschaftlicher  Gesamtbildung  und
weitem  Gesichtskreis,  begründeten  schon  im  ersten  Drittel  des
19.  Jahrhunderts  die  Staaten  Bayern,  Württemberg,  Preußen  und
Hessen  an  den  Universitäten  forstliche  Lehrstühle,  die  ersten  drei
Staaten  allerdings  nicht  mit  dauerndem  Erfolg.

Bayern.  Allen  Staaten  voran  ging  Bayern.  Nachdem  die  im
Jahre  1790  in  München  gegründete  und  1803  nach  Weihenstephan
verlegte  Staatsforstschule  im  Jahre  1806  wieder  aufgehoben  worden
war,  wurde  1807  der  Dircktor  dieser  Schule,  Dr.  Däzel,  ursprünglich
akademisch  gebildeter  Mathematiker,  zum  Professor  der  Forstwissenschaft
  an  der  Universität  Landshut  ernannt.  Bei  der  Verlegung  der
Universität  nach  München  im  Jahre  1826  siedelte  er  mit  über.  Die
Anwärter  für  den  höheren  Forstdienst  wurden  auf  die  Universität
verwiesen,  ohne  daß  allerdings  ein  bestimmter  Studiengang  denselben
vorgeschrieben  war.  \Wic  es  sich  dann  nach  der  Kinverleibung
Aschaffenburgs  an  Bayern  darum  handelte,  ob  die  dort  bestehende
Forstschule  als  Staatsanstalt  belassen  werden  sollte,  unterbreitete  im
Jahre  1817  die  General-Forstadministration  dem  König  ein  Gutachten,
demgemäß  für  den  höheren  Forstdienst  das  Gymmasialabiturium  und
ein  Universitätsstudium  von  sechs  Semestern  gefordert  werden  sollte.

Dieser  weitsichtige  Vorschlag  kam  nicht  zum  Vollzug,  weil  sich
der  König  1819  aus  politischen  Gründen  für  die  Belassung  der  Forstschule
  in  der  Stadt  Aschaffenburg,  die  „ihre  Nahrungslosigkeit  und
Not“  geltend  machte,  ‚entschied,  Aber  trotzden  hielt  man  gleichzeitig
  auch  am  Universitätsunterricht  fest,  indem  derselbe  den  Gymnasialabsolventen
  freigestellt  blieb.  Als  im  Jahre  1832  die  Forstschule  in
‚Aschaffenburg  wieder  aufgehoben  wurde,  wurde  der  Besuch  einer
vaterländischen  Tlochschule  den  Aspiranten  für  den  höheren  Forstdienst
  zur  Pflicht  gemacht.  Praktisch  kam  hierfür  nur  die  Universität
München  in  Betracht,  indem  zwei  Professoren  der  Aschäffenburger
Schule  iPapius  und  Iferl)  speziell  zur  Erteilung  des  forstlichen  Unterrichts
  an  diese  Universität  versetzt  wurden.  Um  dem  Mangel  an
Revierförstern  abzuhelfen,  erfolgte  1844  die  Wiedereröffnung  der
Aschaffenburger  Schule,  auf  welcher  „brauchbare  Organe  für  den
niederen  Forstdienst  aus  jungen  den  Gewerbeschulen  entstammenden
l.cuten“  herangezogen  werden  sollten.  Die  höhere  forstwissenschaftliche
  Bildung  blieb  nach  wie  vor  den  Universitäten  vorbehalten.  An
der  Universität  München  hörte  aber  von  1847/48  ab  der  forstliche
Unterricht  zunächst  auf,  weil  derselbe  von  seiten  der  Regierung  zugunsten
  Aschaffenburgs  vernachlässigt  worden  war.  Indessen  schon  im