Philosophische  Fakultät:  Forstwirtschaft.  305

München  und  der  daselbst  zu  errichtenden  forstlichen  Versuchsanstalt.
Im  Herbst  des  Jahres  1878  begann  an  der  Universität  München  der
forstliche  Unterricht,  für  welchen  in  der  staatswirtschaftlichen  Fakultät
sechs  ordentliche  Professuren  errichtet  wurden.  Als  Professoren
wurden  berufen  Gustav  Heyer,  Karl  Gayer,  Franz  Baur,  Ernst  F.bermaycer,
  Robert  Hartig;  die  Professur  für  Forstpolitik  war  schon  seit
1859  durch  Karl  Roth  besetzt.  Von  diesen  hervorragenden  Männern
gehören  nur  mehr  Gayer  und  Fbermayer  der  Fakultät  als  nicht  mehr
Iesende  Mitglieder  an.  Nach  dem  Hingange  Roths  wurde  Julius  Lehr
berufen  (gest.  1894).

Württemberg.  Bei  der  Errichtung  der  staatswirtschaftlichen
Fakultät  an  der  Universität  Tübingen  im  Jahre  1817  wurde  auch
ein  Lehrstuhl  für  Forstwissenschaft  geschaffen  und  der  höhere  forstliche
  Unterricht  ausschließlich  der  Universität  zugewiesen.  Außerdem
wurde  in  Stuttgart  in  Jahre  1818  cine  niedere  Forstschule  errichtet,
die  im  Jahre  1820  dem  1818  gegründeten  landwirtschaftlichen  Institut
in  Hohenheim  angegliedert  wurde.  Obgleich  dasselbe  als  Mittelschule
nur  für  die  Ausbildung  der  niederen  Forstbediensteten  eingerichtet
und  bestimmt  worden  war,  kam  es  doch  bald  dahin,  dats  Hohenheim
auch  als  Bildungsstätte  für  den  höheren  Forstdienst  anerkannt  wurde.
Damit  war  das  Schicksal  des  Universitätsunterrichtes  entschieden.  Im
Jahre  1825  wurde  der  forstliche  Unterricht  in  Tübingen  auf  cine
enzyklopädische  Behandlung  beschränkt  und  der  spezielle  forstliche
Unterricht  dem  Institut  Hohenheim  überwiesen.  Der  Lehrstuhl  für
Forstwissenschaft  an  der  Universität,  dessen  Inhaber  seit  1829  auch
der  landwirtschaftliche  Unterricht  übertragen  worden  war,  wurde  dann
1841  ganz  eingezogen.  Denselben  nahmen  ein:  Hundeshagen
1818—1821,  Widemann  1821—1836,  Schott  von   Schottenstein
1836  —  1841.

Die  in  den  sicbziger  Jahren  des  19.  Jahrhunderts  in  Bayern  und
auch  anderwärts  zugunsten  der  Verlegung  des  forstlichen  Uhnterrichtes
  an  die  Universität  auftretende  Bewegung  schlug  auch  in
Württemberg  ihre  Wellen  und  nach  langwierigen  Verhandlungen
wurde  der  gesamte  forstliche  Unterricht  im  Jahre  1881  von  der
Akademie  Hohenheim  losgelöst  und  an  die  Universität  Tübingen
rückverlegt.  Seitdem  bestehen  an  der  staatswissenschaftlichen  Fakultät
  zwei  ordentliche  Lehrstühle  für  Forstwissenschaft  (Nördlinger
1881  —  1891,  Graner  1891—18%,  Lorey  1881  —1901,  Bühler  seit  1896,
Wagner  seit  1902).  In  der  Regel  ist  auch  noch  eine  dritte  l.chrkraft
(außerordentlicher  Professor)  bestellt  (Speidel  bis  102).

Das  Unterrichtswesen  im  Deutschen  Reich.  I,  2)