I.  Die  Königlich  Preußische  Friedrich-Wilhelms-Universität
  zu  Berlin.

1.  Geschichtliche  Übersicht.

Die  Vorgeschichte  der  Berliner  Universität  beginnt  mit  den
letzten  Jahren  des  NVIM.  Jahrhunderts.  In  der  Hauptstadt  der
preußischen  Monarchie  waren  damals  zahlreiche  Vertreter  verschiedener
  Wissenszweige  versammelt.  Es  bestand  eine  Anzahl  L.chranstalten
  mit  mehr  oder  weniger  ausgesprochenem  hochschulmäßigren
Charakter,  wie  vor  allem  das  Collegium  medico-chirurgicum,  und
daneben  wissenschaftliche  Sammlungen  mamnigfacher  Art.  Außerdem
wurden  öffentliche  Vorlesungen  fast  über  alle  Gebiete  der  Wissenschaft
  gehalten  und  fanden  bei  einem  geistig  angeregten  Publikum
zum  Teil  großen  Beifall.  Diese  Zustände  legten  den  Gedanken  nahe,
das  bereits  Vorhandene  zu  einer  einheitlichen  Organisation  zusammenzufassen.
  Dabei  wurde  aber  zunächst  nicht  an  die  Gründung  einer
Universität  im  althergebrachten  Sinne  gedacht.  Es  sollte  vielmehr
ein  „allgemeines  Lehrinstitut‘  ohne  korporative  Rechte,  ohne  Examina,
ohne  eigene  Gerichtsbarkeit,  überhaupt  „ohne  Zunftzwang“,  ins  Leben
gerufen  werden,  wobei  die  bisherigen  Provinzialuniversitäten,  nach
einer  Bemerkung  des  Geheimen  Kabincttsrates  Beyme,  „für  die
sogenannten  Brotstudien  ihre  abgesonderte  Einrichtung  würden  behalten
  müssen“.*)  Man  trug  sich  mit  dem  Gedanken,  Männer  wie
Fichte,  Johannes  Müller,  F.  Schiller,  A.  von  Humboldt  für  die  neue
Bildungsanstalt  zu  gewinnen  —  gleichsam  der  deutlichste  Ausdruck
dafür,  daß  sie  nicht  nur  äußerlich  den  bestehenden  Universitäten
nicht  gleichen,  sondern  auch  innerlich  von  den  überlieferten  Formen
der  akademischen  Gelehrsamkeit  möglichst  frei  sein  sollte.  Diese

*)  Rudolf  Köpke,  Die  Gründung  der  Königlichen  Friedrich-Wilhelms-Universitat
zu  Berlin.  Berlin  1860.  8.  31.