214  Die  einzelnen  Universitäten.

weitausschauenden  Pläne  wurden  indessen,  wie  es  scheint,  schon  im
Jahre  1804,  als  sie  eben  cine  greifbarere  Gestalt  anzunehmen  besannen,
  fallen  gelassen,  wahrscheinlich  unter  dem  Einfluß  der
drohenden  Gefahr  eines  Krieges  mit  Frankreich.

Gleich  nach  dem  Tilsiter  Friedensschluß  kamen  aber  ähnliche
Gründungspläne  wieder  auf.  Den  äußeren  Anlaß  dazu  bot  der  mit
der  Abtretung  des  Herzogtums  Magdeburg  verbundene  Verlust  der
Universität  Halle.  Tine  von  dieser  entsandte  Deputation,  mit
Schmalz  an  der  Spitze,  trug  am  10.  August  1807  in  Memel  dem
Könige  die  Bitte  vor,  die  Universität  Halle  nach  Berlin  zu  verlegen.
Der  Monarch  äußerte  sich  mit  großer  Befriedigung  über  diesen
Schritt  der  Halleschen  Professoren,  meinte  aber,  daß  die  Erfüllung
ihrer  Wünsche  unangenehme  WVerwicklungen  mit  der  Königlich
Westfälischen  Regierung  herbeiführen  könnte.  Es  solle  vielmehr  eine
ganz  neue  Universität  in  Berlin  gestiftet  werden.  Durch  Kabincttsorder
  vom  4.  September  wurde  Beyme  mit  der  Leitung  der  Sache
betraut.  Zugleich  wurde  der  Philologe  F.  A.  Wolf,  der  aus  eigenen
Antricb  einen  Plan  für  die  Universität  entworfen  und  nach  Memel
gesandt  hatte,  vom  Könige  zu  weiteren  Vorschlägen  aufgefordert.
Beyme  zog  hervorragende  wissenschaftliche  Kapazitäten  heran,  um
über  die  Organisation  der  zu  gründenden  Universität  zu  beraten,
darunter  Fichte,  Schleiermacher,  Hufeland.  Wie  schr  auch  die
zur  Frage  geäußerten  Änsichten  sogar  in  wesentlichen  Punkten  auseinandergingen,
  so  war  diesen  Ansichten  der  eine  Zug  gemeinsam:
es  galt  vor  allem,  mit  der  Überlieferung  zu  brechen.  Selbst  die  Bezeichnungen
  Universität  und  Fakultät  wurden  beanstandet,  weil  die
alten  Übelstände  damit  unzertrennlich  verbunden  schienen.  Die  von
Beyme  eingeleiteten  Schritte  hatten  aber  keinen  unmittelbaren  Frfolg,
denn  schon  am  3.  Oktober  sah  er  sich  durch  den  Wiedcreintritt  des
Freiherrn  vom  Stein  in  den  Staatsdienst  veranlaßt,  seinen  Abschied
zu  nehmen.  Das  wirkte  auf  den  Fortgang  der  Sache  bis  zu  cinem
gewissen  Grad  hemmend,  weil  Stein  hauptsächlich  aus  moralpädagogischen
  Gründen  Bedenken  trug,  die  neue  l.chranstalt  in  der
MMauptstadt  zu  errichten.  Auch  finanzielle  Erwägungen  mochten  dem
leitenden  Staatsmann  cine  gewisse  Zurückhaltung  in  der  Angelegenheit
der  zu  gründenden  Universität  auferlegt  haben.  Wie  dem  auch  sei,
das  Verhalten  der  Regierung  erzeugte  in  den  interessierten  Kreisen
Verstimmung  und  ließ  den  Mut  Einiger  sinken.  Die  Chancen  für
die  neue  Universität  wurden  zugleich  dadurch  in  ungünstigem  Sinne
beeinflußt,  daß  noch  im  Dezember  1807  die  Universität  Halle  von