Die  Königlich  Preußische  Friedrich-Wilhelms-Universität  zu  Berlin.  315

der  Königlich  Westfälischen  Regierung  wiederhergestellt  wurde  und
im  Mai  des  nächsten  Jahres  mit  fast  vollständigem  Lehrpersonal
wieder  in  Tätigkeit  trat.  Dazu  kam,  daß  die  Universität  Frankfurt  a.  O.
aus  Furcht  vor  Konkurrenz  gegen  Errichtung  einer  Universität  in
Berlin  entschieden  Front  machte.  Schließlich  regte  sich  unter  einem
gewissen  Teil  der  Mitglieder  der  Akademie  der  Wissenschaften  cine
Opposition  gegen  den  Gründungsplan,  den  man  gleichsam  als  einen
Angriff  auf  die  Würde  der  Akademie  aufzufassen  geneigt  war.

Eine  neue  Wendung  nahm  die  Angelegenheit,  als  mit  Steins
Abgang  der  bisherige  preußische  Gesandte  in  Rom,  Wilhelm  von
Humboldt,  nach  Berlin  berufen  wurde,  um  an  die  Spitze  der
Unterrichtsverwaltung  zu  treten.  Am  20.  Februar  1809  erfolgte  seine
Ernennung  zum  Dircktor  der  Scktion  für  den  Kultus  und  öffentlichen
Unterricht.  In  richtiger  Würdigung  der  politischen  und  nationalen
Bedeutung,  die  die  Errichtung  einer  Universität  in  der  Ilauptstadt
haben  würde,  nahm  sich  Ilumboldt  mit  seltener  Tatkraft  des
Gründungsplanes  an.

In  seinem  Schreiben  an  den  Könir  vom  24.  Juli  1809  erinnert
er  diesen  zunächst  daran,  durch  die  Kabinettsorder  vom  4.  September
1807  die  Gründung  einer  allgemeinen  und  höheren  I.chranstalt  in
Berlin  genehmigt  zu  haben  und  führt  dann  fort:  „Wenn  Ew.  Königliche
Majestät  nunmehr  diese  Einrichtung  feierlich  bestätigten  und  die
Ausführung  sicherten:  so  würden  Sie  Sich  aufs  neuc  alles,  was  sich
in  Deutschland  für  Bildung  und  Aufklärung  interessiert,  auf  das
Festeste  verbinden,  einen  neuen  Eifer  und  neuc  Wärme  für  das
Wiederaufblühen  Ihrer  Staaten  erregen,  und  in  einem  Zeitpunkt,  wo
ein  Teil  Deutschlands  vom  Kriege  verheert,  cin  anderer  in  fremder
Sprache  von  fremden  Gebietern  beherrscht  wird,  der  deutschen
Wissenschaft  eine  vielleicht  kaum  jetzt  noch  gehoffte  Freistatt  eröffnen.“
  Aus  demselben  Schreiben  ist  zu  erschen,  daß  der  neue
l.citer  der  Unterrichtsverwaltung  in  bezug  auf  die  Organisation  der
Anstalt  es  nicht  mit  jenen  hielt,  die  in  dem  Bestreben,  die  alten
’chler  der  Universitäten  zu  vermeiden,  ganz  neue  Bahnen  einzuschlagsen
beabsichtigten.  Was  Humboldt  im  Sinn  hat,  ist  eine  Universität  im
althergebrachten  Sinne,  die  nur,  wie  er  sich  ausdrückt,  „von  allen
veralteten  Mißbräuchen  gereinigt“  werden  soll.  Auch  den  Namen
einer  Universität  müsse  die  zu  crrichtende  allgemeine  Lehranstalt
erhalten.  „In  der  Tat  und  Wirklichkeit  müßte  sie,"  meint  Humboldt,
„welchen  Titel  man  ihr  auch  beilegen  möchte,  doch  alles  enthalten,
was  der  Begriff  einer  Universität  mit  sich  bringt.  Sie  könnte,  von