320  Die  einzelnen  Universitäten.

nennen.  Die  Augenheilkunde  lehrten  Jüngken,  später  Schweigger
als  Ordinarius,  A.  v.  Gracfe  als  Extraordinarius.  Kine  Reihe  glänzender
Namen  erscheint  auf  dem  Gebiete  der  natunwissenschaftlich-medizinischen
  Fächer:  Joh.  Müller  (in  Berlin  1833—  1858),  der  große  Physiologe,
  der  seine  Wissenschaft  auf  feste  physikalisch-chemische
Grundlagen  führte,  zugleich  hervorragend  durch  vergleichend-anatomische
  Forschungen;  Dubois-Reymond,  der  sich  schon  in  jungen
Jahren  großen  Ruf  durch  seine  Untersuchungen  über  tierische  Elcktrizität
  erwarb,  Ehrenberg  mit  seinen  bahnbrechenden  Forschungen
über  die  mikroskopischen  Organismen,  Virchow,  der  Begründer  der
Zellularpathologie  (in  Berlin  1855  —  103).  Helmholtz  (geboren  1821),
obwohl  Mediziner  und  gleich  groß  als  Physiologe  wie  als  Physiker,
gehörte  der  Berliner  Universität  (seit  1871)  nur  als  Professor  der
Physik  an  und  übernahm  1888  auch  die  Leitung  der  Technischen
Reichsanstalt  (7  1894).

Für  die  Philosophie  bildete  die  Wirksamkeit  Hegels  (in  Berlin
1820--1832)  die  glänzendste  Periode.  \Venn  auch  das  Ilegelsche
System  als  solches  seinen  Urheber  nicht  lange  überlebt  hat,  so  hat
sich  doch  der  Einfluß  Hegelscher  Gedanken  anregend  und  befruchtend
auf  alle  Geisteswissenschaften  erstreckt  und  in  seinen  Nachwirkungen
dauernd  erhalten.  Unter  Hegels  Nachfolgern  verdient  Trendelenburg
  besondere  Hervorhebung.

Als  Vertreter  der  klassischen  Philologie  und  Altertumskunde
finden  wir  neben  den  Altmeistern  Boeckh  und  Bekker,  die  länger
als  cin  halbes  Jahrhundert  der  Universität  zur  Zierde  grereichten,
K.  Lachmann  (7  1853),  zugleich  als  Forscher  auf  dem  Gebiet  der
deutschen  Philologie  ausgezeichnet,  M.  Haupt  (7  1874),  der  cbenfalls
  die  klassische  mit  der  germanischen  Philologie  vereinigte,
den  Archäologen  Gerhard,  E.  Curtius,  den  Historiker  Griechenlands,
und  vor  allem  Theodor  Mommsen  (1817  bis  103).  Im  Bereich
der  germanistischen  Wissenschaft  steht  obenan  J.  Grimm  und  neben
ihm  sein  Bruder  Wilhelm  (beide  lesende  Akademiker);  ferner  sind
Mültenhoff,  als  glänzender  Vertreter  der  deutschen  L.iteraturgeschichte
W,.  Scherer  und  aus  der  jüngsten  Zeit  K.  Weinhold  anzuführen.

Als  Orientalist  der  indogermanischen  Richtung  muß  vor  allem
F.  Bopp  genannt  werden  (in  Berlin  von  1821-1867),  ein  ausgezeichneter
  Sanskritist,  der  zugleich  den  Grund  zu  der  vergleichenden
Sprachwissenschaft  gelegt  hat.  Sein  würdiger  Nachfolger  war  AIbrecht
  Weber.  Von  den  Lehrern  der  semitischen  und  der
übrigen  orientalischen  Sprachen  seien  erwähnt:  Rödiger,  Dill-