Die  Königlich  Preußische  Friedrich-Wilhelms-Universität  zu  Berlin.  32]

mann,  der  theologischen  Fakultät  angehörend,  Neubegründer  der
äthiopischen  Studien,  L.epsius,  Begründer  der  Ägyptologie  in
Deutschland,  der  Assyriologe  Eberhard  Schrader,  Petermann,  im
Armenischen  und  anderen  orientalischen  Sprachen  bewandert,  Schott,
Sinologe.  Die  beiden  letzteren  waren  außerordentliche  Professoren
und  Mitglieder  der  Akademie.  Der  erste  Ordinarius  für  vergleichende
Sprachwissenschaft  war  Johannes  Schmidt.

Aus  der  Zahl  der  Historiker  bedürfen  Nanıen  wie  F.  v.  Raumer,
Ranke,  Nitzsch,  Droysen,  Wattenbach,  v.  Treitschke  keiner
weiteren  Erläuterung.  Als  Geograph  hat  Karl  Ritter  neuc  Bahnen
eröffnet,  wenn  auch  seine  Auffassung  der  „vergleichenden  Erdkunde“
gegenwärtig  anderen  Anschauungen  Platz  gemacht  hat.  Für  die
Volkswirtschaftsiehre  war  mehrere  Jahre  G.  Hanssen  gewonnen,  der
aber  1869  wieder  nach  Göttingen  zurückkehrte.  Dieterici,  bis  1860
Direktor  des  statistischen  Burcaus,  gehörte  auch  als  Professor  der
Universität  an.  Was  die  Mathematik  und  die  Naturwissenschaften
betrifft,  so  waren  sie  in  der  ersten  Periode  der  Universität  zwar  in
durchaus  angemessener,  aber  doch  nicht  in  gleich  hervorragender
Weise  vertreten,  wie  manche  Zweige  der  Geisteswissenschaften.  Der
erste  große  Mathematiker,  der  einen  Lehrstuhl  an  der  Universität  crhielt,
  war  Lejeune-Dirichlet,  der  1831  außerordentlicher  und  1839
ordentlicher  Professor  wurde,  1855  aber  als  Nachfolger  von  Gauts
nach  Göttingen  ging,  wo  er  1859  starb.  Nicht  von  geringerer  Bedeutung
  war  Jacobi,  der  seine  wissenschaftliche  Laufbahn  schon  vor
Dirichlet  begonnen  hatte,  aber  erst  1842  als  lesender  Akademiker
wieder  nach  Berlin  kam  (f  1851).  Auf  gleicher  Linie  mit  diesen
Koryphäen  steht  J.  Steiner  (in  Berlin  1835—186-4,  der  Begründer
der  deutschen  synthetischen  Geometrie.  Als  eine  jüngere  Generation
erscheinen  Kummer,  Kronecker,  Weierstraß,  die  beiden  ersteren
aus  der  Schule  Dirichlets,  der  letztere  neben  Riemann  der  Schöpfer
der  heutigen  Funktionentheorie  und  ein  von  zahlreichen  Schülern  verehrter
  Meister.  L.  Fuchs  hat  die  Universität  erst  vor  kurzem  verloren.

Als  Astronom  hat  Encke,  ein  Schüler  von  Gauß,  große  \Verdienste,
  namentlich  um  die  Ausbildung  der  praktischen  astronomischen
  Rechenkunst.  Als  bedeutende  Physiker  sind  Dove  und
Magnus  zu  nennen;  noch  größer  war  der  Ruhm  G.  Kirchhoffs,  des
Miterfinders  der  Spektralanalyse,  der  1875  von  Heidelberg  nach  Berlin
berufen  wurde  (+  1887).  Auf  Helmholtz  ist  schon  oben  hingewiesen.
Auch  A.  Kundt  hat  seinen  Platz  würdig  ausgefüllt.  Namhafte  Chemiker
  waren  Mitscherlich,  der  Entdecker  des  Isomorphismus

Das  Unterrichtswesen  im  Deutschen  Reich,  1.  21