Das  Seminar  für  Orientalische  Sprachen.  331

des  Benue,  östlich  des  Niger  ausgehend  sich  über  weite  Gebiete  in
Nordwest-Afrika  erstreckt.  Außerdem  wird  den  Schülern  der  Anstalt
Gelegenheit  geboten,  je  nach  Bedürfnis  die  Sprache  der  Eingeborenen
von  Deutsch-Südwestafrika,  das  Herero,  die  Sprache  der  Küstenbevölkerung
  von  Kamerun,  das  Duala,  sowie  das  Ephe,  das  vorherrschende
  Idiom  der  einheimischen  Bevölkerung  der  Kolonie  Togo,
kennen  zu  lernen.  Schließlich  sind  zur  Ergänzung  der  praktischlinguistischen
  Ausbildung  auch  einige  europäische  Sprachen  dem
Lehrplan  angegliedert  worden,  weil  sie  für  den  Verkehr  in  asiatischen
und  afrikanischen  Tändern  von  hervorragender  Bedeutung  sind,  das
Russische  in  Ostasien,  das  Neugriechische  in  der  Türkei,  das
Spanische  in  Marokko  und  das  Englische  und  Französische  überall,
besonders  in  den  größeren  Zentren  konsularischer  und  diplomatischer
Vertretung.

Die  Sprachkenntnis  allein  würde  nur  in  mangelhafter  Weise  für
eine  Betätigung  im  praktischen  Leben  qualifizieren,  wenn  sie  nicht
verbunden  wäre  mit  ausgedehnter  Kenntnis  von  vielen  realen  Dingen,
von  Geographie  und  Geschichte,  Sitten  und  Gebräuchen,  Religion
und  Recht.  In  dem  I.chrplan  des  Seminars  gehen  linguistische  und
realistische  Studien  Hand  in  Hand,  und  ist  für  ein  weitverzweigtes
Systen  realistischer  Vorlesungen  Sorge  getragen.  Unter  dem  Namen
„Landeskunde“  wird  die  Summe  des  Wissenswertesten  über  ein  Gebiet
zusammen  gefaßt,  außerdem  werden  besondere  Vorlesungen  zur
Anleitung  von  wissenschaftlichen  Beobachtungen  auf  Reisen,  Vorlesungen
  über  tropische  Hygiene,  über  die  Naturprodukte  der  Tropen,
über  die  wirtschaftlichen  Verhältnisse  der  Kolonien,  über  Kolonialund
  Konsularrecht  sowie  allgemein  kolonialgeschichtliche  Vorträge
gehalten.

Unter  den  Schülern  des  Seminars  finden  sich  Studierende  der
Rechtswissenschaft,  welche  sich  für  den  Dolmetscherdienst  bei  den
Konsulaten  und  Gesandtschatten  vorbereiten  wollen,  Offiziere,  welche
für  den  Dienst  in  der  Schutztruppe  designiert,  Beamte,  welche
für  eine  Verwendung  in  irgend  einem  Zweige  der  Kolonialverwaltung
in  Aussicht  genommen  sind,  und  andere,  die  für  private  Zwecke  von
dem  im  Seminar  gebotenen  Unterricht  zu  profitieren  wünschen.

Die  Zeit,  welche  für  das  Sceminarstudium  zur  Verfügung  steht,
ist  in  der  Regel  schr  knapp  bemessen,  für  Herren  in  amtlichen
Stellungen  ein  bis  zwei  Semester,  selten  aber  mehr  als  vier  Semester,
und  hieraus  ergibt  sich  die  Notwendigkeit,  den  Unterricht  so  effektiv
und  konzentriert  wie  möglich  zu  gestalten.  Zwei  Dozenten,  ein