Das  Seminar  für  Orientslische  Sprachen.  337

besteht  eine  besondere  Diplom-Prüfungskommission,  welche  in  den
meisten  Fällen  aus  Dozenten  des  Seminars  und  einem  Vertreter  des
Auswärtigen  Amtes  zusammengesetzt  ist.  Das  Ergebnis  der  Prüfung
in  motivierter  Form  wird  in  cinem  Diplom  dem  Kandidaten  übergeben.
  Die  große  Mehrzahl  der  Anwärter  des  Dolmetscherdienstes
besteht  die  Prüfung  am  Ende  des  vierten  Semesters.

Der  Eintritt  in  die  Dolmetscherklassen  des  Seminars  kann  in
allgemeinen  nur  zum  15.  Oktober,  dem  Beginn  des  Schuljahres  und
\Vintersemesters  stattfinden,  und  zwar  empfiehlt  es  sich,  daß  der  junge
Student  so  früh  wie  möglich  eintritt,  am  besten  im  ersten  oder  zweiten
Semester.  Abgesehen  davon,  daß  in  diesem  Alter  das  Gedächtnis
am  rezeptivsten  ist,  wird  durch  ein  frühes  Eintreten  auch  ein
Zusammentreffen  der  linguistischen  mit  der  juristischen  Prüfung
tunlichst  vermieden.  Bisher  ist  in  dem  meisten  Fällen  der  reguläre
Verlauf  der  Studien  der,  daß  nach  dem  am  Ende  des  vierten
Semesters  bestandenen  Seminarexamen  im  siebenten  Semester  die
Referendar-Prüfung  bestanden  wird,  wobei  allerdings  ein  reger  Fleiß,
absolute  Regelmäßigkeit  im  Besuche  aller  Vorlesungen  und  Übungen
sowie  eine  entsprechende  Begabung  vorausgesetzt  wird.  Der  Eintritt
in  die  kolonialwissenschaftlichen  Klassen  des  Seminars  kann  sowohl
zum  15.  Oktober  wie  zum  15.  April  stattfinden.

Das  Seminar  hat  gegenwärtig  einen  Lehrkörper  von  32  Personen.
Der  Besuch  desselben  ist  inn  Sommer  allemal  erheblich  geringer  als
im  Winter.  Die  Gesamtzahl  der  Besucher  betrug  im  Winter  1%02/03
492,  im  Sommer  1903  229  Personen.  Viele  Schüler  der  Anstalt  sind
in  verschiedene  Länder  Asiens  und  Afrikas  hinausgegangen  und
betätigen  sich  in  den  Konsulaten  und  Gesandtschaften,  im  Kolonialdienst
  des  Deutschen  Reiches  und  in  privaten  Stellungen.

Zum  Schluß  sei  noch  darauf  hingewiesen,  daß  das  Seminar  sich
an  wissenschaftlicher  Arbeit  durch  Herausgabe  eines  Jahrbuchs  unter
dem  Namen:  „Mitteilungen  des  Seminars  für  Orientalische  Sprachen“,
von  dem  soeben  der  sechste  Band  erschienen  ist,  sowie  an  der
Förderung  kolonialsprachlicher  Studien  durch  die  Herausgabe  eines
„Archivs  für  das  Studium  deutscher  Kolonialspraächen“,  dessen  erster
Band:  „I.ehrbuch  der  hausanischen  Sprache  (Hausa-Sprache)  von
A.  Mischlich“  in  diesem  Jahre  erschienen  ist,  beteiligt.

Eduard  Sachau.