Königl.  Preußische  Rheinische  Friedrich-Wilhelms-Universität  zu  Bonn.  339

als  Anatom  aus.  Die  Physiologie  war  einige  Jahre  besonders  glänzend
durch  Helmholtz  vertreten,  der  1855  nach  Bonn  berufen  wurde,
aber  schon  1858  nach  Heidelberg  übersiedelte.  Geschätzte  Kliniker
waren  Rühle  für  innere  Medizin,  Busch  und  Schede  für  Chirurgie,
Veit  für  Gynäkologie.

In  der  philosophischen  Fakultät  hat  Brandis  sich  durch  seine
Geschichte  der  griechischen  Philosophie  verdient  gemacht.  F.  A.  Lange
und  Überweg  haben  ihre  T.aufbahn  als  Privatdozenten  der  Philosophie
  in  Bonn  begonnen.  Für  die  klassisch-philologischen  Studien
war  Bonn  während  einer  Reihe  von  Jahren  cin  Zentralpunkt,  als
neben  F.  G.  Welcker  F.  Ritschl  und  O.  Jahn  in  ihrer  fruchtbarsten
Wirksamkeit  standen.  Die  von  hier  ausgehende  „Ritschlsche  Schule“
gelangte  auf  den  deutschen  Universitäten  zu  einem  führenden  Einfluß.
Eine  allgemein  anerkannte  Autorität  auf  dem  Gebiete  der  romanischen
Philologie  war  F.  Diez,  der  aber  als  Lehrer  nur  eine  schr  beschränkte
  Wirksamkeit  hatte.  Dasselbe  kann  mit  bezug  auf  die
Sanskrit-Philologie  von  Chr.  Lassen  gesagt  werden,  dessen  Indische
Altertumskunde  als  ein  bahnbrechendes  Werk  geschätzt  wird.  Als
Vertreter  des  germanistischen  Fachs  wirkte  K.  Simrock,  der  als
Dichter  in  den  weitesten  Kreisen  einen  populären  Namen  hat.  In
der  semitischen  Philologie  war  Gildemeister  der  würdige  Nachfolger
  Freytags.  Als  Historiker  sind  Dahlmann  und  besonders
H.  v.  Sybel  hervorzuheben,  der  letztere  auch  als  Führer  einer  zahlreichen
  Gefolgschaft  von  Schülern.  Erster  Inhaber  cines  besonderen
Ordinariats  für  die  wirtschaftlichen  Staatswissenschaften  war  E.  Nassc.

Bedeutend  als  Mathematiker  war  Plücker,  der  aber  den  Lehrstuhl
  der  Physik  übernahm  und  auch  auf  diesem  Gebiet,  namentlich
durch  seine  die  Spektralanalyse  anbahnenden  Untersuchungen  über
die  Geißlerschen  Röhren,  die  Wissenschaft  wesentlich  gefördert  hat.
Auch  der  vor  kurzem  gestorbene  Mathematiker  R.  Lipschitz  hat
einen  hochgeachteten  Namen.  Als  ausgezeichneter  astronomischer
Beobachter  ist  Argelander  zu  nennen,  unter  dessen  Leitung  in  den
dreißiger  Jahren  die  Sternwarte  gebaut  wurde.  Sein  in  derselben
Richtung  arbeitender  Nachfolger  war  Schönfeld,  dem  Krüger  folgte.

Nach  Plückers  Tode  erhielt  Clausius,  einer  der  Begründer  der
mechanischen  Wärmetheorie,  den  I.chrstuhl  der  Physik.  Ihm  folgte
Hertz,  einc  der  glänzendsten  Zierden  der  deutschen  Wissenschaft,
die  ilın  leider  in  der  Blüte  seiner  Jahre  verlieren  mußte.  Die  Chemie
war  in  hervorragender  Weise  durch  A.  Kekule  vertreten,  den  Urheber

  der  modernen  Valenztheoric.  Endlich  seien  hier  noch  der
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