Die  Königliche  Universität  Breslau.  349)

F.  IL.  Steinmeyer  1852—1854  zu  bezeichnen  sein,  ein  wenn  auch
oft  paradoxer,  doch  stets  anregender  Systematiker  der  praktischen
Theologie,  dabei  hervorragender  Prediger  von  besonderer  Begabung
für  tiefeindringende  Erfassung  der  Gedanken  der  heiligen  Schrift.
Weiter  sind  zu  nennen  Joachim  Christian  Gaß  1811  1831,  Karl
riedr.  Gaupp  1844---1863,  Ed.  Meuss  1859  —  1892.

3.  Juristische  Fakultät.  In  ihr  hat  C.  A.  Dominik  Unterholzner
  1811—1838  als  Systematiker  des  Pandektenrechtes  eine  hervorragende
  Stellung  eingenommen.  Jul.  Friedr.  Heinr.  Abegg  1826
bis  1868  ist  als  Kriminalist  von  nachhaltigem  Einfluß  gewesen.  Phil.
Ed.  Huschke  1827—1877  war  Mitte  des  19.  Jahrhunderts  der  bedeutendste
  unter  den  Hlistorikern  und  Quellenforschern  des  römischen
Rechts.  Wilh.  Ed.  Wilda  1842-1854  ist  zur  Berühmtheit  gelangt
durch  sein  Werk  „Das  Strafrecht  der  Germanen“,  ausgezeichnet  durch
gelchrte  Beherrschung  der  Quellen,  zumal  der  nordgermanischen  und
angelsächsischen,  die  hier  noch  vor  den  Werken  Konrads  von  Maurer
mit  glänzendem  Erfolge  verwertet  worden  sind.  Weiterhin  ragt  Job.
Ernst  Otto  Stobbe  1859--1872  hervor,  als  der  wohl  heute  noch
bedeutendste  Systematiker  des  deutschen  Rechts.  Friedr.  Wilh.  Herm.
Wasserschleben  1841--  1850,  ist  als  Quellenforscher  auf  dem  Gebiete
  des  kanonischen  Rechts  zu  Ruf  gelangt.  Franz  Aug.  Förster,
der  Verfasser  des  heute  noch  einen  hervorragenden  Platz  einnehmenden
Systems  des  preußischen  Privatrechts  war  1847—-1850  Privatdozent
in  Breslau.  Auch  Ernst  Eck,  der  feinsinnige  Kenner  des  römischen
Rechts,  ist  1877—1880  in  Breslau  tätig  gewesen.

4.  Medizinische  Fakultät.  Von  Anatomen  zeichnete  sich
NW,  Otto  1812-45  durch  Errichtung  einer  großen  Sammlung
seltener  Mißbildungen  und  durch  ein  Werk  über  dieselben  aus.
J.  E.  Purkinje  1822:  -1850,  von  Alexander  v.  Humboldt  auf  Gocthes
Anregung  an  den  Minister  empfohlen,  gehörte  zu  den  fruchtbarsten
und  gedankenreichsten  Physiologen  seiner  Zeit  und  hat  als  solcher
erundiegende,  auch  heute  noch  zu  Recht  bestehende  Beobachtungen
angestellt.  Er  ist  der  Begründer  des  experimentellen  Unterrichts  in
der  Physiologie.  Sein  Nachfolger  in  Breslau  war  Theodor  v.Siebold,
1850—53,  welcher  in  dieser  Zeit  seine  berühmten  Untersuchungen
über  die  Bandwürmer  und  die  Parthenogenesis  anstellte.  Ihm  folgte
C.  B.  Reichert  1853—5B  und  R.  Heidenhain  1858—97,  letzterer
ausgezeichnet  durch  eine  große  Zahl  hervorragender  Arbeiten  auf
dem  Gebicte  der  Muskel-  und  Drüsenphysiologie.  Von  Pathologen
hat  Julius  Cohnheim  1872—78  als  Nachfolger  Waldeyers  (1864—  72)