350  Die  einzelnen  Universitäten.

in  Breslau  gewirkt.  Hier  hat  er  u.  a.  die  bekannte  Experimentaluntersuchung
  über  Impftuberkulose  in  der  vorderen  Augenkammer
veröffentlicht.  Von  hervorragenden  Klinikern  hat  Breslau  Friedr.
Theod.  v.  Frerichs  1851—59  und  Herm.  Lebert  1859-74  besessen,
  die  beide  die  naturwissenschaftliche  Methode  auf  dem  Gebiete
  der  inneren  Medizin  zur  Geltung  brachten.  Als  bahnbrechender
Chirurg  fordert  Alb.  Theod.  Middeldorpf,  1852—68,  Erwähnung,
als  Gynäkologe  Otto  Spiegelberg,  1865  —81,  der  die  neueren  Errungenschaften
  der  gynäkologischen  Wissenschaft  für  die  Praxis
nutzbar  machte.  Als  Vertreter  der  Ophthalmologie  in  Breslau  ist  zu
nennen  Richard  Focrster,  1857—9,  dessen  Arbeiten  von  grundlegender
  Bedeutung  gewesen  sind  auf  dem  Gebiete  der  Gesichtsfeldmessung,
  der  Lichtsinnprüfung,  der  Lehre  vom  Glaucom  und  vor
allem  auch  auf  dem  Gebiete  der  Augenerkrankung  bei  Allgemeinleiden.
  Von  Psychiatern  kann  der  originelle  und  mit  glänzendem
Formtalent  ausgestattete  Heinrich  Neumann,  1839—84,  nicht  übergangen
  werden.

5.  Philosophische  Fakultät.  Von  namhaften  Männern,  die
an  ihr  gewirkt  haben,  seien  zunächst  als  Philosophen  und  gleichzeitig
Naturforscher  H.  Steffens,  1811—32,  Physiker  und  Mincraloge,  und
Nees  von  Esenbeck,  Botaniker,  1829—1851,  beide  Anhänger
Schellings,  genannt.

Von  Historikern  hat  Harald  Stenzel  1820—1854  auf  die  Studierenden
  ungewöhnlichen  Einfluß  geübt.  In  der  Zeit  vor  1848  las
er  vor  Auditorien  von  mehr  als  600  FHörern.  Er  ist  durch  seine
„Geschichte  Deutschlands  unter  den  fränkischen  Kaisern“  ciner  der
Mitbegründer  der  Forscherschule,  die  sich  um  die  Monumenta_  hist.
Germ.  gebildet  hat,  er  hat  die  Grundlagen  einer  kritischen  I.andesgeschichte
  in  Schlesien  durch  die  Scriptores  rer.  Silesiacarım  geschaffen,
  hat  die  bisher  noch  nicht  übertroffene  Untersuchung  über
Anfänge,  Wesen,  Entwicklung  der  aus  der  mittelalterlichen  Kolonisation
  sich  erhebenden  deutschen  Städte  geliefert,  hat  mit  meisterhäfter
Kürze  eine  Geschichte  Schlesiens  im  Mittelalter  geschrieben,  wie  sie
in  dieser  Art  wohl  kein  anderes  deutsches  Territorium  besitzt,  hat
das  Breslauer  Archiv  geschaffen,  geordnet  und  es  durch  die  Bezichung
  desselben  zur  Universität  und  den  akademischen  Studien
fruchtbar  gemacht,  hat  endlich  die  seit  Pufendorf  unzweifelhaft  beste
„Geschischte  des  preußischen  Staats“  bis  zum  Ausgang  Friedrichs
des  Großen  geschrieben.  Teilweise  vor  Stenzel  hat  Ludwig  Wachler
1815  1838  überaus  besuchte  Vorlesungen  über  Geschichte  und