Pie  Königliche  Universität  Breslau.  351

L.iteraturgeschichte  gehalten.  Weiterhin  ist  Richard  Röpell,  1841
bis  1893,  zu  nennen,  von  dessen  Geschichte  Polens  (nur  Band  I  bis
zum  Jahre  1300)  die  wissenschaftlich-kritische  Behandlung  der  Geschichte
  dieses  Landes  datiert.  Vorübergehend,  1811—19,  ist  an  der
Breslauer  Universität  auch  Friedr.  v.  Raumer  tätig  gewesen,  der
einst  hochangsesehene  Verfasser  der  Geschichte  der  Hlohenstaufen,  und
später  B.  Erdmannsdoerfer  (1873—74).

Die  Geographie,  deren  sich  früher  die  Vertreter  anderer  Wissenschaften,
  der  Physiker  Steffens  is.  oben),  der  Historiker  Kutzen
(1831—  49)  freiwillig  angenomnien  hatten,  empfing  eine  feste  Stelle  im
Lehrplan  der  Hochschule  1863  durch  die  Berufung  Karl  Neumanns,
der,  ein  Schüler  Karl  Ritters,  jene  eigenartige  Verbindung  von  Geschichte
  und  Geographie  aufwies,  die  ihn  ebensowohl  zu  einem  fruchtbaren
  Lehrer  der  alten  Geschichte  wie  der  Geographie  stempelte.
Unter  Neumann  nahm  auch  das  Studium  der  alten  Geschichte  einen
solchen  Aufschwung,  daß  nach  seinem  Tode  je  ein  eigener  Fachvertreter
  für  diese  und  für  die  Geographie  berufen  wurde.

Besonders  ausgezeichnete  Vertreter  der  klassischen  Altertumswissenschaft
  hat  die  Universität  Breslau  besessen  an  L.  F.  Heindorf,
1811--16,  Franz  Passow,  1815—33,  dem  Begründer  des  Handwörterbuchs
  der  griechischen  Sprache,  Friedrich  Ritschl,  1833—-39,
Begründer  der  altlateinischen  Sprachwissenschaft,  Aug.  Roßbach,
1856—98,  und  R.  Westphal  (1851---61),  zwei  ausgezeichneten
Forschern  auf  dem  Gebiete  der  griechischen  Rhythnmik  und  Metrik.
Auch  J.  Bernays,  1853—65,  A.  Reifferscheid,  1868—85,  Paläograph
  und  Forscher  auf  dem  Boden  italischer  Mythologie,  W.  Studemund
  1885—89,  Entzifferer  der  Palimpsesten  des  Plautus  und  Gajus,
vorzüglicher  Kenner  der  Paläographie,  Meister  methodischer  Textkritik,
  sind  hier  zu  nennen.  —  Als  Vertreter  der  orientalischen
Sprachen,  genauer  des  Sanskrit,  verdient  Adolf  Friedrich  Stenzler
1832--87,  Erwähnung.

Besondere  Aufmerksamkeit  beansprucht  der  Lehrstuhl  für
slawische  Philologie  in  Breslau,  der  —  als  ältester  in  Preußen  —  mit
Rücksicht  auf  die  slawischen  Verbindungen  Breslaus  hier  1842  errichtet
  und  zunächst  durch  Celakowsky,  1842-49,  später  durch
Cybulski,  1860—67,  ausgefüllt  gewesen  ist.

Sehr  bedeutsam  sind  während  des  19.  Jahrhunderts  die  l.ehrer
der  Universität  Breslau  für  die  Entwicklung  der  germanischen  Philologie
  geworden.  Von  Errichtung  der  Universität  bis  1824  hat  Friedr.
Heinr.  von  der  Hagen  daselbst  gewirkt.  Schüler  von  Ticck,