Die  Königliche  Universität  Breslau.  353

zu  nennen,  letzterer  in  Beherrschung  des  mincralogischen  Wissensgebiets
  bis  heute  unerreicht.

Daß  der  Universität  als  Germanisationszentrum  für  das  östliche
Deutschland  hervorragende  Bedeutung  zukommt,  bedarf  kaum  besonderer
  Erwähnung.

Von  Einrichtungen,  über  welche  die  Universität  verfügt,  beanspruchen
  Aufmerksamkeit  die  klinischen  Anstalten,  welche,  von
1890  an  in  rascher  Folge  eine  nach  der  andern  neu  crbaut,  heute
zu  den  besteingerichteten  und  reichstausgestätteten  der  ganzen  \Velt
schören,  und  denen  mit  zu  danken  ist,  daß  Breslau  über  eine  Anzahl
hervorragender  Mediziner  verfügt,  welche  den  lockendsten  Rufen  an
andere  Universitäten  angesichts  der  besonders  gedeihlichen  Umstände,
unter  denen  sie  in  Breslau  wirken,  widerstanden.

Auch  die  besondere  Rolle,  die  der  landwirtschaftliche  Unterricht
in  Breslau  spielt,  verdient  Hervorhebung.  Dem  weiten  Bereich  der
lLandwirtschaftswissenschaft  entsprechend  ist  in  Breslau  zum  ersten
Male  der  Versuch  gemacht,  die  Häuptzweige  derselben  mit  besonderen
selbständigen  Instituten  und  Fachvertretern  auszurüsten.  In  monatlichen
  Konferenzen  treten  die  Institutsdirektoren  zu  gemeinsamer  Beratung
  allgemeiner  Fragen  des  T.andwirtschaftsstudiums  zusammen,
ein  alle  2  Jahre  wechselnder  Geschäftsführer  der  inneren  Verwaltung,
der  aus  den  Institutsdirektoren  gewählt  wird,  hat  die  Vertretung  der
Interessen  der  landwirtschaftlichen  Institute  zu  besorgen.  Das  Kollegialsystem
  statt  der  sonst  üblichen  Dircktoren  steht  also  in  Anwendung.
  Durch  diese  Organisation  unterscheidet  sich  Breslau  von
allen  anderen  landwirtschaftlichen  Universitätsinstituten  Preußens.

2.  Gegenwärtiger  Zustand  (Sommer  1%).

Die  evangelisch-theologische  Fakultät  zählt  6  Ordinarien
(1  emeritiert)*),  2  ord.  Honorarprofessoren,  2  außerord.  Professoren,
I  Privatdozenten.  Sie  verfügt  über  das  evang.-theol.  Seminar,  1812
ins  Leben  getreten,  und  über  das  homiletische  und  katechetische
Seminar,  dessen  Gründung  in  das  Jahr  1827  füllt.

Die  katholisch-theologische  Fakultät  hat  B  Ordinarien**),
1  ord.  Ilonorarprofessor,  I  außerord.  Professor  und  1  Privatdozenten.
Das  kath.-theol.  Seminar  wurde  1822  begründet.

*)  Hahn,  Kawerau,  Comill,  Schmidt,  Wrede,  Amold.
**)  |  aemmer,  Koenig,  Sdralek,  Schaefer,  Krawutzcky,  Pohle,  Nikel,  Nümberger.

Das  Unterrichtswesen  im  Dentschen  Reich,  1.  2