IV.  Die  Königlich  Preußische  Georg-August-Universität
in  Göttingen.

1.  Geschichtliche  Übersicht.*)

Die  ursprünglich  „Königl.  Großbritannische"  Georg-August-Universität
  zu  Göttingen  wurde  von  Georg  II.  als  Kurfürst  von  Hannover
gegründet.  Das  von  Karl  VI.  erteilte  kaiserliche  Privilegium  datiert  von
13.  Januar  1733;  man  hatte  für  nötig  gehalten,  cin  solches  einzuholen,
damit  die  akademischen  Grade  der  neuen  Universität  im  ganzen  Reich
Anerkennung  fänden  und  die  gleichen  Rechte  genössen,  wie  die  der
älteren  Hochschulen.  Schon  im  Jahre  1734  wurden  cinige  Professoren
ernannt  und  obwohl  dieses  Lchrpersonal  noch  schr  unzulänglich  war,
fand  am  1.  November  1734  die  erste  Immatrikulation  statt,  zu  der
sich  im  ganzen  148  Studierende  ceinstellten.  Nach  und  nach  kamen
die  neu  berufenen  Professoren  an,  und  nachdem  auch  das  königliche
Privilegium  am  7.  Dezember  1736  ausgestellt  worden  war,  wurde  am
17.  September  1737  mit  großem  Gepränge  die  Eröffnungs-  und
Einweihungsfeier  begangen.

Göttingen  hatte  sich  von  den  Schlägen  des  dreißigjährigen
Krieges  noch  nicht  erholt  und  war  zur  Zeit  der  Gründung  der
Universität  trotz  seiner  Festungswerke  nichts,  als  ein  kümmerliches
lLändstädtchen,  in  dem  anfangs  für  Professoren  und  Studenten  kaum

*)  Vergleiche  Pütter,  Versuch  einer  akademischen  Gelehrtengeschichte  der  Georg-Augustus-Universität
  zu  Göttingen.  23  Bände.  1765  und  1788.  Fortsetzung  von  Saalfeckl:
Geschichte  der  Universität  Göttingen,  Ilann.  1820.  Zweite  Fortsetzung  von  Oesterley,
Göttingen  1837.  Über  die  Gründung  und  die  ersten  Jahre:  Rößler,  Die  Gründung  der
Universität  Göttingen,  1855,  Hollmanı,  Fragment  einer  Geschichte  der  Georg-  Auguster
Universität,  Göttingen  1787.  Über  die  Verhältnisse  zu  Anfang  der  vierziger  Jahre:  Die
Universität  Göttingen.  Leipzig  1842.  (Abdruck  aus  den  Deutschen  Jahrbüchern  für
Wissenschaft  und  Kunst.)  Für  die  neueste  Zeit  siche  die  seit  1888  jährlich  herausgegebenen
Chroniken,  namentlich  die  für  1889/90  (von  Ilerınann  Wagner).