364  Die  einzelnen  Universitäten.

Wohnungen  zu  beschaffen  waren.  Die  Ausstattung  der  neuen  Anstalt,
die  in  den  Gebäulichkeiten  eines  chemaligen  Klosters,  bis  dahin  für
ein  Gymnasium  benutzt,  untergebracht  wurde,  war  äußerst  bescheiden,
da  nur  10000  Taler  für  ihre  erste  Einrichtung  zur  Verfügung  standen.
Für  die  jährlichen  Ausgaben  waren  nur  16600  Taler  bewilligt.  Trotz
der  ungünstigen  äußeren  Umstände  entwickelte  sich  die  Georgia
Augusta  rasch  zu  einer  der  angeschensten  deutschen  Universitäten,
ja,  man  darf  sagen,  daß  sich  in  ihr  der  moderne  Typus  der  deutschen
Universitäten  zuerst  verkörpert  hat.  Es  war  dies  vor  allem  das
Verdienst  des  hannoverschen  Ministers  G.  A.  von  Münchhausen,
der  bis  zum  Jahre  1771  das  Kuratorium  der  Universität  führte  und
ihr  von  Anfang  an  seine  besondere  einsichtige  Fürsorge  widmete.
Im  Gegensatz  zu  den  mittelalterlichen  Universitäten  und  selbst  noch
zu  Halle,  der  damals  jüngsten  und  modernsten  Hochschule,  stand
Göttingren  nicht  unter  der  Vorherrschaft  der  Theologie.  Den  Professoren
war  Lehrfreiheit  gewährt,  was  auch  die  günstige  Folge  hatte,  dafs
cine  Reihe  neuer  Vorlesungen,  z.  B.  über  Statistik,  Politik,  Geographie,
Kunstgeschichte,  Technologie,  eingeführt  wurde.  Ebenso  erfreuten
sich  die  Göttinger  Professoren  für  ihre  Schriften  ciner  Zensurfreiheit,
wie  sie  damals  auf  keiner  anderen  Universität  zu  finden  war.  Um
dem  Chiquenwesen  vorzubeugen  und  die  Vielseitigkeit  möglichst  zu
befördern,  berief  v.  Münchhausen  die  Angehörigen  des  Lehrkörpers
nicht  nur  aus  allen  Teilen  des  Deutschen  Reiches,  sondern  auch  einzelne
aus  der  Schweiz,  aus  Holland,  sogar  aus  Schweden,  aus  Ungarn  und
England,  und  er  suchte  vor  allem  wissenschaftlich  selbsttätige  und
produktive  Männer  zu  gewinnen.  Auch  die  Studierenden  hatten  in
ihrer  wissenschaftlichen  Tätigkeit  freiere  Bewegung,  die  rohen  Mißbräuche
  des  Pennalismus  dagegen  haben  in  Göttingen  nie  Boden
vefunden.  Daß  man  sich  mit  Erfolg  bemühte,  möglichst  viele  Grafen
und  Edelleute  heranzuzichen,  kam  allerdings  mehr  dem  äußeren
Anschen,  als  dem  wissenschaftlichen  Geist  der  Universität  zustatten.
Bezeichnend  ist  in  dieser  Bezichung,  daß  das  einzige  in  großem  Stil
eingerichtete  Institut  aus  der  ersten  Periode  der  Universität  die  1735
erbaute  Reitbahn  ist,  die  auch  heute  noch  einen  stattlichen  Eindruck
  macht.

Im  ersten  Semester  nach  der  feierlichen  Eröffnung  der  Universität,
im  Winter  1737/38,  zählte  die  theologische  Fakultät  3,  die  juristische  7,
die  medizinische  3,  die  philosophische  10  ordentliche  Professoren.
Zur  theologischen  Fakultät  gehörten  außerdem  als  außerordentliche
Professoren  2  Ordinarien  der  philosophischen  Fakultät,  und  unter  den