Die  Königl.  Preußische  Georg-August-Universität  in  Götlingen.  365

10  Mitgliedern  der  letzteren  wurden  auch  2  Ordinarien  der  juristischen
(Schmauß  und  Treuer)  und  1  aus  der  medizinischen  Fakultät  (Segner)
mitgezählt..  Unter  den  Juristen  war  der  namhafteste  Gebauer,
der  sich  durch  eine  Ausgabe  der  Corpus  juris  verdient  gemacht  hat.
Die  grötite  Berühmtheit  der  jungen  Universität  aber  war  Albrecht
von  Haller,  der  ihr  von  1736—-1753  als  Professor  der  Anatomie,
Physiologie  und  Botanik  angehörte.  In  der  philosophischen  Fakultät
war  der  Philologe  Gesner  die  angesehenste  wissenschaftliche  Persönlichkeit.
  Die  Liste  hervorragender  Namen  wurde  aber  bald  vergrößsert.
Im  Jahre  1747  sctzte  v.  Münchhausen  den  Kirchenhistoriker  Mosheim
als  Kanzler  der  Universität  an  die  Spitze  der  theologischen  Fakultät.
Noch  mehr  trug  zur  Verbreitung  des  Rufs  der  neuen  Hochschule  der
Orientalist  D.  Michaclis  bei,  der  zwar  der  philosophischen  Fakultät
angrchörte,  aber  vermöge  seiner  Arbeiten  auf  dem  Gebiete  der  alttestamentlichen
  Wissenschaft  seinen  Einfluß  besonders  auf  die  theologischen
  Studien  ausübte.  Grofßsen  Erfolg  hatte  auch  Pütter  (7  1807)
als  Staatsrechtslehrer,  der  1747  als  außerordentlicher  Professor  eintrat
und  bis  1805  als  Ordinarius  in  Tätigkeit  blieb.  Gesners  Nachfolger
war  (1769,  Heyne,  der  fast  ein  halbes  Jahrhundert  —  bis  1812  —
als  Lehrer  und  Gelehrter  fruchtbar  gewirkt  und  als  Vertrauensmann
der  Regierung  bei  allen  Berufungen  auch  das  Gedeihen  der  Universität
vielfach  gefördert  hat.  In  Göttingen  und  unter  dem  Einflufs  Heynes
und  des  von  ihm  geleiteten  Seminars  ist  überhaupt  das  selbständige,
von  der  Theologie  unabhängige  Berufsstudium  der  Philologie  entstanden,
und  F.  A.  Wolf  war,  wie  es  heißt,  der  erste,  der  sich  als  Studierender
der  „Philologie“  dort  einschreiben  ließ.

Die  Geschichte  fand  angeschene  Vertreter  in  Gatterer,  derauch
die  Hilfswissenschaften  lehrte,  und  Spittler.  Ihnen  folgte  Heceren,
dessen  Wirksamkeit  schon  zum  bei  weitem  größten  Teil  in  die
erste  Hälfte  des  19.  Jahrhunderts  fällt.  Schlözer,  der  Nachfolger
Achenwalls,  des  „Vaters  der  Statistik“,  war  überwiegend  Staatselehrter
  und  Politiker  und  hatte  als  solcher  weitreichenden  Einfluß
durch  seine  Zeitschrift,  den  „Briefwechsel“.  Was  die  Mathematik  und
die  Naturwissenschaften  betrifft,  so  war  Tobias  Meyer  ein  tüchtiger
Astronom,  der  sich  durch  seine  Mondtafeln  cin  großes  Verdienst  und
auch  die  Hälfte  eines  von  der  Royal  Society  in  London  ausgesetzten
großen  Preises  erworben  hat.  l.ichtenberg  hatte  als  Physiker  grofßsen
l.ehrerfolg,  doch  hat  sein  Name  trotz  der  „Lichtenbergschen  Figuren“
seinen  Hauptplatz  in  der  deutschen  Literaturgeschichte  und  dasselbe
kann  man  von  dem  Mathematiker  Kästner  sagen.  Schr  angesehen