366  Die  einzelnen  Universitäten,

in  den  beschreibenden  Naturwissenschaften  war  Blumenbach,  der
nach  seiner  Ernennung  zum  außerordentlichen  Professor  (in  der
medizinischen  Fakultät)  der  Universität  64  Jahre  angehört  hat.

Die  Stürme  der  Kriegsperiode  am  Anfang  des  Jahrhunderts
störten  natürlich  auch  das  Stilleben  der  Göttinger  Universität.  Kinige
Monate  stand  sie  im  Jahre  1806  unter  preußischer  Herrschaft,  von
1807-1813  aber  war  sie  dem  kurzlebiren  Königreich  Westfalen  zugeteilt.
  Nachdem  Göttingen  wieder  mit  Hannover,  nunmehr  einem
Königreich,  vereinigt  war,  begann  für  die  Universität  eine  neue  Periode
des  Aufschwungs,  die  sich  auch  darin  bekundete,  daß  die  Zahl  ihrer
Studierenden  in  den  zwanziger  Jahren  ihr  Maximum  erreichte.  In
der  theologischen  Fakultät  Ichrten  Planck,  Pott,  Lücke,  in  der
juristischen  Hugo,  K.  F.  Eichhorn,  Goeschen,  in  der  medizinischen
M.  Langenbeck,  Osiander,  v.  Siebold;  auch  der  ausgezeichnete
Chemiker  Wöhler,  Stromeyers  Nachfolger,  gehörte  ihr  an.  Die
philosophische  Fakultät  besaß  in  Gaufß  einen  Mathematiker  von
unvergleichlichem  Genie.  Aber  auch  andere  Fächer  waren  glänzend
vertreten,  so  die  Philologie  durch  Öttfried  Müller,  die  Philosophie  —
allerdings  nur  wenige  Jahre  —  durch  Herbart.  Ein  schwerer  Schlag
aber  traf  die  Universität,  als  im  Jahre  1837  sieben  ihrer  ausgezeichnetsten
lehrer  infolge  ihrer  mutigen  Haltung  in  dem  Verfassungskonflikt  kurzer
Hand  entlassen  wurden:  cs  waren  Jakob  und  Wilhelm  Grimm,  die
Historiker  Dahlmann  und  Gervinus,  der  berühmte  Physiker  Wilhelm
Weber,  Ewald,  der  Nachfolger  von  J.  G.  Eichhorn  und  Michaelis
auf  dem  l.chrstuhl  für  das  alte  Testament,  und  der  Jurist  Albrecht.
Die  Folgen  dieser  Gewaltmaßregel  traten  deutlich  in  den  Frequenzziffern
  der  nächsten  Jahre  hervor,  doch  war  die  Universität  in  den
letzten  dreißig  Jahren  der  hannoverschen  Herrschaft  noch  immer  mit
hervorragenden  Kräften  reichlich  ausgestattet.  So  seien  von  den
Theologen  Ehrenfeuchter,  Dorner,  Ritschl  (seit  1863),  von  den
Juristen  Ribbentrop,  Zachariaec,  Briegleb,  Herrmann,  Thöl,
von  den  Medizinern  R.  Wagner,  Baum,  Ilenle  angeführt.  Die
Mathematik  war  auch  nach  Gauß’  Tode  (1853)  durch  Namen  ersten
Ranges  ---  Lejeune-Dirichlet,  Riemann  —  vertreten.  W.  Weber
wurde  1849  auf  den  Lehrstuhl  der  Physik  zurückgerufen.  In  der
Philosophie,  in  der  Göttingen  seit  Kant  abseits  von  der  herrschenden
Strömung  gestanden  hatte,  trat,  neben  dem  Tlistoriker  11.  Ritter,
l.otze  mit  selbständiger  Produktivität  auf.  Die  Philologie  war  durch
K.F.  Hermann,  Schneidwim,  v.  Leutsch,  Sauppe,  die  Geschichte
des  Altertums  durch  E.  Curtius  vertreten.  Aus  der  Schule  von