Die  Königl.  Preußische  Georg-August-Universität  in  Göttingen.  367

Waitz  ging  eine  Reihe  angesehener  Historiker  hervor.  Roscher
wirkte  einige  Jahre  in  Göttingen  als  Lehrer  der  Staatswissenschaften,
und  auf  ihn  folgten  Hanssen  und  Helferich.  Auch  die  Wirksamkeit
des  Mathematikers  Schering  und  der  Geologen  Sartorius  von
Waltershausen  und  v.  Sceebach  füllt  noch  zum  Teil  in  die
hannoversche  Periode.

Die  Vereinigung  des  Königreichs  Hannover  mit  Preußen  brachte
die  Georgia  Augusta  in  die  Stellung  einer  Provinzialuniversität,  während
sie  bis  dahin  die  einzige  Landesuniversität  eines  selbständigen  Staates
gewesen  war.  Indes  hatte  dieser  Wechsel  für  die  Universität  keineswegs
ungünstige  Folgen.  Es  kam  allerdings  jetzt  häufiger  vor,  als  früher,
daß  hervorragende  Mitglieder  ihres  I.chrkörpers  der  Anzichungskraft
Berlins  nachgaben,  aber  die  Regierung  ließ  es  an  nichts  fehlen,  um
die  Universität  auf  ihrer  vollen  Höhe  zu  erhalten  und  ihre  Ausstattung
den  stets  steigenden  Forderungen  der  Zeit  entsprechend  zu  bereichern
Schon  die  in  den  ersten  Jahren  der  preußischen  Herrschaft  erfolgten
Berufungen  von  Männern  wie  Clebsch  (1868),  de  L.agarde  (1869),
v.  Jhering  (1872)  lassen  diese  wohlwollende  Fürsorge  erkennen,
und  in  den  beiden  letzten  Jahrzehnten  vollends  hat  Göttingen
hinsichtlich  der  Vermehrung  der  Lehrstühle  und  der  Erweiterung  oder
Neugründung  von  Instituten  vielleicht  mehr  Förderung  erhalten,  als
irgend  eine  andere  preußische  Universität,  außer  Berlin.

2.  Gegenwärtiger  Zustand  (Sommer  1%).

I.  Die  evangelisch-theologische  Fakultät  zählte  im  Sommer
1903  sieben  ordentliche  Professoren,*)  außerdem  zwei  außerordentliche
Professoren  und  drei  Privatdozenten.  Schon  seit  der  Gründung  der
Universität  war  mit  ihr  ein  praktisch-theologisches  Seminar
verbunden,  dem  1878  ein  theoretisches  Seminar  mit  Abteilungen
für  alttestamentliche  und  neutestamentliche  Exegese,  Kirchen-  und
Dogmengeschichte  und  systematische  Theologie  angeschlossen  wurde.
Außerdem  ist  mit  der  theologischen  Fakultät  noch  das  theologische
Stift  verbunden  (1850  durch  Umwandlung  des  1765  gegründeten
Repetentenkollegiums  entstanden),  in  dem  16  Studierende  unter  einem
Inspektor  freie  Wohnung  haben.  Die  jährliche  Dotation  des  Seminars
beträgt  3380  Mark.

*)  Wiesinger  (emeritiert),  Knoke,  Bomoctik,  Tschuckert,  Schürer,  Althaus,  Hlasenbusch
  (als  Nachfolger  von  I.  Schultz+  berufen).