372  Die  einzelnen  Universitäten.

zeitschriften  und  andere  auf  dem  Wege  der  Schenkung  zu  erlangende
Materialien  gesammelt  werden.  Seit  1895  besteht  auch  ein  spezielles
„Seminar  für  V'ersicherungswissenschaft“  mit  einem  jährlichen  Zuschufs
von  1200  M.  und  etwa  400  M.  cigenen  Einnahmen  aus  Gebühren.

9,  Die  zuletzt  von  Wappäus  bekleidete  Professur  für  Statistik
—  im  Sinne  von  Staatenkunde  —  wurde  1880  bei  der  Berufung  des
gegenwärtigen  Inhabers  (H.  Wagner)  förmlich  in  eine  solche  für
Geographie  umgewandelt  und  nunmehr  auch  der  weographische
Apparat,  dessen  Anlegung  schon  Wappäus  begonnen  hatte,  zu  einer
größeren  Sammlung  erweitert,  für  die  jährlich  WO  M.  ausgesetzt  sind.
Gegenwärtig  ist  auch  ein  Privatdozent  für  dieses  Fach  habilitiert.

10.  Entsprechend  der  Göttinger  Tradition  findet  dıe  Mathematik
auch  gegenwärtig  eine  besonders  ausgiebige  Pflege:  drei  ordentliche
Professoren*),  zwei  Extraordinarien  und  drei  Privatdozenten  sind  in
diesem  Fache  tätig.  Daran  schließen  sich  als  verwandte  Gebiete
Astronomie  (ein  Ordinarius**)  und  ein  außerordentlicher  Professor)
und  Geophysik  und  Geodäsie  (ein  außerordentlicher  Professor,
ferner  auch  mathematische  Physik,  für  die  neben  dem  Ordinariat  für
Experimentalphysik***)  eine  besondere  ordentliche  Professurf)  besteht.
  Als  eine  Figentümlichkeit  Göttingens  ist  bisher  noch  der  Unterricht
  in  der  technischen  Mechanik  und  Maschinenlehre  und  in  der
Flektrotechnik  zu  betrachten,  der  von  zwei  außerordentlichen  Professoren
  erteilt  wird.  Einen  wichtigen  \Vereinigungspunkt  der  mathematisch-physikalischen
  Wissenschaften  bildet  das  für  diese  im  Jahre
1852  gegründete  Seminar,  an  das  sich  auch  ein  mathematisches  Lesezimmer,
  ein  Zeichensaal  und  eine  Sanımlung  mathematischer  Instrumente
  und  Modelle  anschließt.  Die  jährliche  Dotation  des  Seminars
beträgt  1008  M.,  die  der  mathematischen  Sammlung  mit  Einschluf
der  eigenen  Einnahmen  401  M.

11.  Eine  bedeutende  Entwicklung  hat  in  der  neuesten  Zeit  auch
das  physikalische  Institut  gewonnen,  für  das  jetzt  cin  den  Bedürfnissen
  entsprechender  Neubau  bewilligt  ist.  Es  ist  aus  dem  physikalischen
  Kabinett  hervorgegangen,  das  17%  mit  den  von  der  Regierung
  angekauften  physikalischen  Apparaten  Lichtenbergs  angeleet
wurde.  Seit  1842  befindet  es  sich  in  seinem  jetzigen  Lokal.  Es  besteht
  gegenwärtig  aus  1.  einer  Abteilung  für  Experimentalphysik  und
angewandte  Elektrizitätsichre  (Klektrotechnik);  2.  einer  Abteilung  für
mathematische  Physik;  3.  einer  Abteilung  für  technische  Physik,  für

*)  Klein,  Ililbert,  Minkowskt.  —  **)  Schwarzschtld.  —  ***)  Riecke,  —  +)  Vonet.