V.  Die  Königlich  Preußische  Universität  Greifswald.

I.  Geschichtliche  Übersicht.

Unsere  Universität,  die  älteste  Preußens,  verdankt  ihre  Entstehung
  in  der  Hauptsache  dem  weitschauenden  Bürgernicister
Dr.  Heinrich  Rubenow.  In  der  Hansestadt  Greifswald  lag  die
Krrichtung  eines  studium  generale  im  zweiten  Drittel  des  15.  Jahrhunderts
  nahe,  seitdem  die  Rostocker  Universität  in  ihr  von  1436
bis  1443  ein  Asyl  gefunden  und  nach  der  Rückverlegung  6  ihrer
l.chrer  zurückgrelassen  hatte.  In  der  Hoffnung,  der  rasch  aufseblühten
Vaterstadt  mit  einer  Hochschule  eine  dem  Wandel  der  Zeiten  widerstehende
  Unterlage  ihres  Wohlstandes  und  Ansehens  verschaffen  zu
können,  setzte  Rubenow  freimütig  einen  großen  Teil  scines  beträchtlichen
  Vermögens  ein,  veranlaßte  Mitbürger  zu  Stiftungen,  sicherte
den  Werke  die  Unterstützung  der  Stadt,  benachbarter  Klöster  und
des  Caminer  Bischofs  und  weckte  das  lebhafte  Interesse  des  Landesherrn
  Herzog  Wartislaw  IN.  von  Pommern-Wolgast.  Zwar  war  der
Fürst  in  dieser  Zeit  selbst  nicht  in  der  Lage,  große  unmittelbare
Opfer  zu  bringen.  Indessen  er  verlieh  mehrere  nutzbringende  Rechte
und  deckte  insbesondere  auch  die  erforderlichen  Gründungsformalitäten
  mit  seinem  Namen,  beispielsweise  den  vom  Papste  Calixtus  Ill.
scforderten  Nachweis  eines  gesicherten  Einkommens  der  Hochschule
in  Höhe  von  mindestens  1000  fl.  Der  Herzog  vermehrte  durch  seine
persönliche  Teilnahme  den  Glanz  der  feierlichen  Weihung  am  17.  Oktober
  1456  und  schenkte  zwei  kunstvolle  silbervergoldete  Szepter,
welche  noch  heute  bei  feierlichen  Anlässen  den  Haupte  der  Universität
  vorangetragen  werden.

Annühernd  die  Halfte  der  l.chrstühle  war  den  Vertretern  der  Rechtsgelehrsamkeit  eingeräumt.
  Am  kärglichsten  bedacht  wurde  die  medizinische  Fakultäl,  ce  sich  mit  einem
einzigen  ordentlichen  Lehrer  noch  bis  ins  Jahr  1559  hat  begnügen  müssen.   Insgesanıt

mögen  12  bis  15  Lehrstühle  vorgesehen  gewesen  sein.  In  den  ersten  31/,  Jahren  des
Bestchens  des  studinin  generale  wurden  472  Namen  von  Stndierenden  in  das  Album  ein-