Die  Königl.  Preußische  Universität  Greitswald.  379

getragen.  Auf  sofortigen  starken  Zulauf  aus  dem  Reiche  durfte  in  Anbetracht  der  ungünstigen
  lage  Greifswalds  nicht  gerechnet  werden.  Trotzdem  und  trotz  mancher  Störungen
durch  Seuchen  und  Krieg  fehlte  es  der  Universität  auch  in  ihrer  ersten  Periode  nicht  an
glänzenden  Namen.  Als  Beispiel  sei  nur  der  damals  aufs  höchste  geschätzte  Rechtslehrer
Petrus  Ravennas  genannt,  den  Wartislaw  N.  im  Jahre  1497  auf  der  Rückkehr  von
seiner  Jalästinareise  aus  Padua  mit  nach  (ireifswald  gebracht  hat.

Die  Hinführung  der  Reformation  in  Pommern  brachte  schon  aus  materiellen
Gründen  für  die  Universität  eine  schwere  Krisi.  Die  in  den  3er  jahren  des
16.  Jahrhunderts  der  Auflösung  nahe  Ilochschule  wurde  schließlich  durch  Hlerzog
Philipp  I.  als  protestantische  neu  begründet.  Der  Fürst  berief  im  Jahre  1599  selbst  6
Professoren  nach  Greitswald  und  verlieh  der  Universität  ein  neues  Statut.  Nach
diesem  sollte  das  corpus  academicum  sich  aus  3  Professoren  der  Theologie,  3  Juristen,
3  Medizinern  und  8  Professoren  der  Philosophie  und  der  freien  Künste  zusammensetzen.
Wurde  die  vorgeschriebene  Lehrerzahl  auch  noch  auf  lange  hinaus  nicht  erreicht,  so  galt
doch  in  der  zweiten  Ilälfte  des  16.  Jahrhunderts  die  Zusammensetzung  des  L.chrkörpers
als  eine  allen  Ansprüchen  genügende.  Der  Ilerzog  trug  auch  für  ausreichende  Verstärkung
der  Universitätsmittel  Sorge,  nachdem  von  dem  Gute  und  den  Einkünften  der  Tlochschule
schon  bald  nach  Rubenows  gewaltsamem  Tode  manches  entfremdet  und  mit  der  Kinführung
  der  Keformation  vieles  andere  in  Fortfall  gekommen  war.  Im  Jahre  1558
sicherte  der  Dlerzog  eine  feste  jührliche  Dotation  von  1200  fl.  zu,  von  denen  9/6  auf  dem
säkularisierten  Amte  Eldena  ruhten.  Die  llochschule  nahm  einen  sehr  erfreulichen
Aufschwung.  Die  Zahl  der  jährlich  Immatrikulierten  hetrug  nun  nicht  mehr  wie  vordem  40
bis  50,  sondern  regelmäßig  über  100,  ja  sie  überschritt  wiederholt  140  und  15.

Die  Jahre  freudigen  Giedeihens  fanden  nur  zu  bald  ein  jahes  Ende.  Die  Stürme
des  30  jährigen  Krieges  brachen  herein.  Sie  vernichteten  für  Jahrhunderte  gänzlich  den
Wohlstand  Vorpommerns.

Die  pommersche  Universitätsstadt  war  nach  dem  Kriege  vollständig  zusammengebrochen
  infolge  ungeheuerlichster  Hinquartierungsiasten,  Kontributionen  und  Besteuerungen,
  verarmt  durch  die  Vernichtung  ihres  Hlandels,  verlassen  von  vielen  ihrer
besten  Bürger,  bestürmt  von  Scharen  darbender,  obdachloser  Bettler.

Nicht  minder  hat  die  Universität  selbst  in  den  langen  Kriegsjahren  gelitten.  Ver
Zugang  der  Studenten  geriet  Jahre  hindurch  so  gut  wie  ganz  ins  Stocken,  die  herzogliche
  Dotation  blieb  ebenso  aus,  wie  die  Einnahmen  aus  eigenem  Grundbesitz.

Im  westfälischen  Frieden  ist  dann  bekanntlich  Vorpommern,  über  das  schon  1640
eine  schwedische  Repgiening  gesetzt  war,  an  Schweden  gefallen.  Für  die  landesuniversität
  aber  hat  der  letzte  Ponmernherzog,  Bogislav  XIV,  wenige  Jahre  vor  seinen
Tode  in  einer  Weise  gesorgt,  daß  sie  in  die  lage  versetzt  worden  ist,  ihre  Wirksamkeit
bis  in  die  neueste  Zeit  hinein  aus  eigner  Kraft  fortzusetzen,  ungeachtet  aller  schweren
Schiekungen,  welche  dieses  unglückliche  l.and  noch  fernerhin  treffen  sollten.  Schon  im
Jahre  1626  hatte  der  Ilerzog  3  Dörfer  geschenkt  zur  Schadloslialtung  für  das  Ausbleiben
der  Dotation.  Und  um  seinen  ernsien  Willen  zu  zeigen,  der  Universität  über  die  Not
der  Zeit  hinwegzuhelfen,  trat  Bogislav  an  sie  im  Jahre  1634  zu  ewigem  Eigentum  das
ganze  Amt  Kldena  mit  ullen  20  Dörfern  und  ihren  Feldern,  sämtlichen  Wiesen,  Mooren
und  Wäldern,  aber  auch  mit  der  auf  ihm  ruhenden  Schuldenlast  von  36  000  fl.  ab.
Nicht  leichten  Ilerzens  entschlossen  Rektor  und  Konzil  sich  damals  zur  Preisgabe  ihrer
unmittelbaren  Ansprüche  und  zur  Annahme  eines  Besitzes,  der  fortwährend  mit  neuen
Kriegslasten  belegt  wurde,  ohne  etwas  einzubringen;  am  wenigsten  bereitwillig  waren
sie  zur  Übernahme  der  großen  Schuld.  Sie  handelten  schließlich  in  der  klare
Erkenntnis,  daß  ihnen  selbst,  den  Lebenden,  aus  den  zugrunde  gerichteten  Besitzungen
ein  Vorteil  nicht  erwachsen  werde;  sie  nahmen  die  Stiftung  an  um  der  Enkel  willen,  für
die  sie  aus  ihr  reichen  Segen  erhofften.

Der  Wille  Tlerzog  Bogislavs  ist  von  den  schwedischen  Königen  geachtet  worden.