Die  Königl.  Preußische  Universitiut  Greifswald.  381

Im  Jahre  1815  übernahm  der  preußische  Staat  mit  dem  Lande
Neuvorponmern  zugleich  die  Universität  Greifswald  mit  der  ausdrücklichen
  Versicherung,  die  Hochschule  werde  dauernd  im  vollen  Genusse
ihres  derzeitiren  Besitzes  belassen  bleiben.

Für  die  Universität  brachte  der  Wechsel  der  Herrschaft  zunächst
noch  nicht  schr  erhebliche  Veränderungen.  Bei  der  mißtrauischen
Abwehr  aller  Eingriffe  in  ihre  inneren  Angelegenheiten  und  der  eifersuchtigen
  Wahrung  der  Rechte,  die  den  akademischen  Körperschaften
nach  dem  (schon  1813  erfolgten)  Ausscheiden  der  Professoren  aus
der  akademischen  Administration  noch  verblieben  waren,  konnte  das
neue  vorgeordnete  Ministerium  bei  bestem  Willen  eine  Einwirkung
nur  in  recht  beschränkten  Unfange  ausüben.  Zudem  war  der  erste
erößere  Versuch  einer  solchen,  die  von  Anfang  an  unglückliche
Gründung  der  staats-  und  tandwirtschaftlichen  Akademie
Yldena  184,  für  die  Universität  auf  Jahrzehnte  hinaus  statt  mit
Vorteil  mit  herben  Enttäuschungen  und  schweren  Kosten  verbunden.

Kine  günstige  Entwicklung  der  Universität  trat  unter  der
Regierung  Friedrich  Wilhelms  IV.  infolge  Berufung  tüchtiger  l.chrer
ein.  Eine  ständige  Ainanzielle  Beihilfe  von  nennenswerter  Höhe  ist
dagegen  nicht  vor  dem  Jahre  1874  zu  verzeichnen  gewesen.  Erst
im  vorletzten  Jahre  des  Bestehens  der  Akademie  Eldena  ist  darin
ein  Wandel  eingetreten;  für  1874  sind  für  Greifswald  in  den  Uhnterrichtsetat
  17320  Tlr.  eingestellt  worden,  welche  1875  auf  120  759  Mk.
erhöht  wurden.  Dafür  aber  brachte  das  Jahr  1876  mit  der  Auflösung
  der  Akademie  Fldena  die  Ucbertragung  der  für  die  Ausstattung
  des  Schmerzenskindes  unserer  Hochschule  aufgenonimenen
Schuldsumme  in  Höhe  von  0000  AL.  auf  die  Universität  selbst.
Die  Höhe  des  Staatszuschusses  ist  in  dankenswerter  Weise  gesteigert
worden,  seitdem  der  Ausbruch  der  gegenwärtigen  Agrarkrisis  das
vorherige  sprunghafte  Anwachsen  des  Ertrages  der  akademischen
Liegenschaften,  cines  Grundbesitzes  von  rund  15000  ha  (darunter
gegen  1200  ha  Felder  und  Wiesen  und  ca.  WOW  ha  Waldı  aufzuhalten
  begonnen  hat.

Wenn  heute  bereits  47,4  °%,  der  Unterhaltungskosten  vom  Staate
aufgebracht  werden,  darf  nicht  außer  acht  bleiben,  daß  die  Aufwendungen
  gegenüber  den  Kosten  beinahe  aller  anderen  preußischen
Universitäten  noch  immer  recht  mäßige  genannt  werden  dürfen,  vor
allem  auch  im  Hinblick  auf  die  relative  Neuheit  dieser  Zuwendungen.
Noch  weniger  ist  zu  vergessen,  wieviel  an  Schutt  und  Trümmern
an  der  Greifswalder  Hochschule  bis  in  die  jüngste  Zeit  hinein  hin-