Die  Königl.  Preußische  Universität  Greifswald.  2383

nicht  minder  sei  der  Pharmakologe  Schwanert  erwähnt,  dann  die
klassischen  Philologen  Chr.  W.  Ahlwardt,Schömann,  Jahn,  Urlichs,
Hertz,  Kießling,  Rud.  Schöll,  Keibelund  Susemichl,  unter  denen
einzelne  zwar  nicht  so  schr  lange  in  Greifswald  gewirkt,  hier  aber
Bleibendes  geschaffen  haben.

Auch  der  Germanist  Edmund  IHlöfer  und  der  Nationalökonom
Baumstark  mögen  aus  der  Menge  der  Namen  mit  trefflichem  Klang
herausgegriffen  werden.

Die  im  Greifswalder  I.chrkörper  vorhandene  Spannkraft  kanı
erst  jüngst  wieder  zum  Ausdruck  in  der  Energie,  mit  der  hier  der
Gedanke  einer  Ausdehnung  des  Universitätsunterrichts  auf  weitere
Kreise  Aufnahme  gefunden  hat.  Der  hiesige  Ferienkurs,  der  zweitfrühest
  in  Deutschland  begründete,  bewahrt  seit  1894  eine  wachsende
Zugkraft  ungeachtet  der  immer  schärfer  werdenden  Konkurrenz  besser
gclegener  Hlochschulen.  Er  hat  nicht  wenig  zur  Ausbreitung  des
Respekts  vor  der  deutschen  Wissenschaft  in  den  skandinavischen
ländern  beigetragen.  Mit  gleichem  Ernst  und  Eifer  und  früher  und
mit  weitaus  besseren  Erfolgen  als  an  den  meisten  anderen  Hochschulen
  ist  hier  an  die  Einrichtung  volkstümlicher  Hochschulkurse  gegangen
  worden,  und  in  Verfolgung  «der  gleichen  Bestrebungen  widmen
alljährlich  hiesige  Hochschullehrer  ihre  Kräfte  nahen  und  fernen
Städten.

Vor  allem  hat  die  Fürsorge  der  Königl.  Unterrichtsverwaltung
in  den  allerletzten  Jahren  sehr  dankenswerte  Verbesserungen  und
damit  Abhilfe  gegen  manche  schmerzlich  empfundene  Mängel  geschaffen.
  Für  eine  ganze  Reihe  mustergültig  ausgestatteter  Kliniken,
Institute  und  Sammlungen  ist  Sorge  getragen  worden,  anderes  ist
im  Bau  oder  in  Vorbereitung  begriffen.

Denn  die  Tage  sind  für  immer  dahin,  wo  cs  der  Greifswalder
Hochschule  zu  besonderem  Ruhme  gerechnet  werden  durfte,  dafs  sie
als  die  einzige  unter  den  deutschen  Universitäten  nicht  gewohnt
sei,  sch  mit  dem  Glanze  eines  fürstlichen  Herrschernamens  zu
schmücken.  Das  gewaltige  Anschwellen  des  Bedarfs  moderner
Universitäten  hat  auch  die  unsre  in  engste  Abhängigkeit  von  der
wohlwollenden  Förderung  des  mächtigen  Staatswesens  gebracht,  dem
sie  rechtmäßiger  Weise  schon  1637  hätte  zufallen  sollen.

Mit  größerer  Berechtigung  als  je  zuvor  darf  die  Universität

Greifswald,  eines  der  Denkmäler  hanscatischen  Bürgersinns,  heute
voller  Zuversicht  der  Zukunft  entgegenschauen.