398  Die  einzelnen  Universitäten.

der  Vorlesungen  ergab  sich  von  selbst,  sobald  die  Zahl  der  Dozenten  zunahm  und  damit
nicht  nur  die  einzelnen  Disziplinen  durch  besondere  Dozenten  vertreten  wurden,  sonderu
auch  innerhalb  der  einzelnen  Disziplin  die  verschiedenen  Teile  bestimmten  Personen  zur
Behandlung  zugewiesen  werden  konnten.

Unsere  Universität  hatte  nach  ihrer  vollständigen  Konstituierung  im  Jahre  1697
im  ganzen  nur  12  Dozenten,  so  daß  anf  jeden  eiren  100  Studenten  kamen,  gegenwürtig
trotz  der  bedeutenden  Frequenz  17.

Bis  1750  hatte  sich  der  }.ehrkörper  auf  19  vervollstündigt,  aber  erst  nach  der
gewaltigen  Reforin  der  Universitat  in  den  achtziger  Jahren  durch  den  Kanzler  von  Ilofmanıı
stieg  die  Zahl  auf  46,  darunter  25  Ordinarien;  1865  befanden  sich  hier  6B  Dozenten,
1885  96,  gegenwärtig  sind  es  148,  und  die  Ordinarien  haben  sich  in  der  letzten  Periode  von
38  auf  5$  vermehrt.  Die  letzten  25  Jahre  haben  den  hanptsächlichsten  Aufschwung
gehracht,  eine  Erscheinung,  die  keineswegs  unsere  Universitat  allein  betriflt.  In  ganz
Deutschland  gab  es  1865  1221,  jetzt  über  1800  Dozenten,  das  ist  eine  Zunahme  un  mehr
als  die  Hälfte  in  38  Jahren.

Fassen  wir  die  einzelnen  Fakultäten  in  das  Auge:  Die  theologische  Fakultät
mußte  sich  auf  unserer  Universität  in  der  ersten  Zeit  mit  2  Vertretern  begnügen,  der
allerdings  die  philosophische  wirksam  zur  Seite  stand.  In  der  Mitte  des  Jahrhunderts
schen  wir  die  Zahl  schon  auf  5  steigen,  wahrend  gegenwärtig  allein  7  Ordinarien  vorhanden
  sind,  und  die  Fakultät  iin  ganzen  16  Vertreter  zeigt.

Am  stärksten  besetzt  war  ursprünglich  die  juristische,  die  wfort  mit  5  Mitgliedern
  auftrat,  wührend  gegenwärtig  nur  9  Ordinarien  und  im  ganzen  13  Dozenten
darin  fungieren.

Ganz  anders  war  die  Entwicklung  der  medizinischen  Fakultät,  die  eine  lange
Zeit  nur  2  Männer  als  Lichrer  aufzuweisen  hatte.  Erst  gegen  Ende  des  18.  Jahrhunderts
  sehen  wir  dieselbe  sich  heben,  obgleich  damals  von  derselben  nicht  nur  die
verschiedensten  Naturwissenschaften,  wie  Dotanik  nırd  Chemie,  sondern  auch  Physik  (und
eine  Zeitlang  Mathematik)  gelehrt  wurde.

1769  hielt  Professor  Junker  hier  die  medizinische  Klinik  ab,  las  täglich  eine  Stunde
Pharmacologie,  eine  Stwde  Experimentalchemie  und  außerdem  noch  Mineralogie.  Die
ganze  Fakultät  bestand  aus  4  Dozenten.  Noch  im  Jahre  1801  vertrat  Meckel  Physiologie,
Anatomie,  Chirurgie  und  Gieburtshilfe;  die  Zahl  der  Dozenten  war  auf  6  gestiegen.
1860  belief  sie  sich  auf  5  Ordinarien  und  im  ganzen  9  Dozenten.  Yleutigen  Tages  zahlt
sie  mehr  als  doppelt  so  viel:  12  Ordinarien  und  39  Dozenten.  Auch  hier  ging  die
ntwicklung  dieser  Universität  ihren  hauptsächlichsten  Schwestern  nur  analog  vorwärts.

Die  philosophische  Fakultät  zühlte  1697  nur  3  Mitglieder,  die  allerdings  bald
Ergänzung  erhielten;  doch  ein  halbes  Jahrhundert  ınußte  vergehen,  bis  sich  die  Zahl  auf  6
hob,  im  Jahre  1800  dagegen  finden  wir  bereits  21,  denn  gerade  hier  hatie  der  Kanzler
von  Hloflmann  energisch  eingegriffen.

Von  den  10  Ordinarien  nahm  aber  die  Philosophie  die  volle  Hälfte  für  sich  in
Anspruch.  Friedrich  August  Wolf  war  s.  Z.  der  einzige  Vertreter  der  Philologie.
Ihm  gesellte  sich  ein  Ordinarius  für  orientalische  Sprachen  zu,  ein  Historiker,  ein  Mathematiker
  und  ein  Nationalökonom,  der  zugleich  Naturrecht  und  allgemeine  Naturgeschichte
las.  Es  war  damals  nur  ein  einziger  Vertreter  «der  Naturwissenschaften  in  dieser  Fakulıat.
Aber  schen  im  ersten  Dezenninm  des  letzten  Jahrhunderts  wurden  Ordinariste  fiir  Physik,
Chemie,  Mineralogie  und  Zoologie  geschaffen,  während  die  Botanik  noch  eine  Zeitlang
ihren  Ordinarius  in  der  medizinischen  Fakultät  hatte.  Erst  sehr  langsam  wurden  den
Sprachen  größere  Rechte  eingeräumt,  deren  Vertreter  gerade  in  der  neuesten  Zeit  die
philosophische  Fakultät  so  außerordentlich  anschwellen  ließen,  dad  wir  gegenwärtig  darin
80  Dozenten  in  Wirksanıkeit  sehen  und  darunter  26  Ordinarien,  während  1865  erst

20  Ordinarien  und  32  Dozenten  vorhanden  waren.