Die  Königel.  Preußische  Friedrichs-Universität  Halle-Wittenberg.  405

In  der  psychiatrischen  und  Nervenklinik,  die  einen  selbständigen
  Fonds  von  126600  M.  hat,  wurden  im  letzten  Jahre  1010
Personen  mit  einem  durchschnittlichen  Bestande  von  136  Personen
behandelt.  Der  psychiatrische  Unterricht  an  der  Universität  wurde
bis  1883  in  der  etwas  entlegenen  Provinzial-Irrenanstalt  erteilt,  konnte
aber  in  diesem  Jahre  in  ein  neuerrichtetes  Institut  in  der  Stadt  selbst
verlegt  werden.  An  dem  Unterricht  beteiligten  sich  im  Winter
34  ‚Auskultanten  und  25  Praktikanten  und  2  Ärzte.  Sie  wird  geleitet
von  einem  Ordinarius,  einem  Fxtraordinarıus  als  Oberarzt  und
5  Assistenten.

Die  Poliklinik  für  Hautkrankheiten  und  Syphilis  ist  erst
vor  wenigen  Jahren  eingerichtet,  sie  steht  unter  einem  Privatedozenten,
der  durch  einen  Assistenten  unterstützt  wird.  Ktatsmäßig  sind  für
dieselbe  nur  1800  M.  ausgeworfen,  tatsächlich  sind  ihr  aber  in  den
letzten  Jahren  4200  M.  zugewendet.  Die  Zahl  der  im  letzten  Jahre
Behandelten  belief  sich  auf  1404.

Die  Poliklinik  für  Zahnkrankheiten  nahm  ihren  Anfang  1873
und  wurde  im  letzten  Jahre  von  5783  Patienten  besucht.  Sie  wird
von  einen  Privatdozenten  geleitet.  Neben  Vorlesungen  und  praktischer
  Anweisung  in  der  Behandlung  der  Kranken  findet  cin  technischer
  Kursus  statt.  Die  Frequenz  der  Studierenden  belief  sich
auf  18.

Eine  besondere  Berücksichtigung  verdient  noch  die  Bibliothek.
Dieselbe  war  ursprünglich  allein  auf  einen  Anteil  an  den  Inskriptionsund
  Promotionsgebühren  angewiesen,  die  zwischen  3)  und  500
Talern  schwankten.  Im  Jahre  1789  wurde  sie  mit  weiteren  500  Talern
bedacht,  und  ihre  Einnahmen  beliefen  sich  von  1795-—--1800  auf
324  Taler,  wovon  714  zur  Anschaffung  von  Büchern  verwendet
werden  konnten.  Hierdurch  und  durch  Schenkungen  war  der  Bücherbestand
  1807  auf  13918  Werke  gebracht.  Durch  die  Verbindung
mit  der  Universität  Wittenberg  und  die  fernere  Hinzufügung  der
Bibliothek  des  Kriegsrats  Ponikau  erfuhr  sie  noch  im  Beginne  des
letzten  Jahrhunderts  eme  wesentliche  Vergrößerung.  1890  zählte  sie
195000  Bände.  Außerdem  bestehen  aber  cine  ganze  Anzahl  Scminar-Bibliotheken,
  die  z.  T.  recht  reichhaltig  sind,  und  eine  besondere
Studenten-Bibliothek,  welche  für  alle  Fakultäten  bestimnit  ist.

Im  Jahre  1789  wurde  die  Universitätsbibliothek  in  einem  alten
Salinengebäude  mit  der  Anatomie  zusammen  untergebracht,  nach
deren  Verlegung  sie  das  Gebäude  allein  okkupierte.  Im  Jahre  1883
wurde  für  443000  M.  ein  neucs  Gebäude  geschaffen,  welches,  in