410  Die  einzelnen  Universitäten.

täten  in  Norddeutschland  dem  Zuzuge  von  Studenten  aus  anderen
Provinzen  abträglich  sein.  So  kam  es,  daß  die  Universität  sich  Jahrzehnte
  hindurch  auf  eme  nur  kleine  Zahl  von  Lehrern  wie  von
Schülern  beschränkt  sah.  Zeitweise  schmolz  der  Leehrkörper  der
Universität  so  zusammen,  daß  die  medizinische  und  die  juristische
Fakultät,  gelegentlich  auch  die  philosophische,  nur  auf  je  cinen
einzigen  Professor  reduziert  waren!  Die  Folge  davon  war,  daß  die
heterogensten  Fächer  wie  cinmuul  Mathematik  und  Jurisprudenz,
cin  anderes  Mal  sogar  Geschichte,  Poesie,  Beredsamkeit,  Naturrecht,
Politik,  Mathematik  und  Physik  —  in  einer  Hand  vereinigt  waren!

Die  Zahl  der  Studierenden  war  ebenfalls  gesunken,  namentlich
im  der  medizinischen  Fakultät,  so  daß  cin  Reglement  vom  Jahre  1707
die  Professoren  der  Medizin  vermahnt,  „wegen  Seltenheit  der  studiosorum
  medicinac,  soviel  möglich  daran  zu  sein,  umb  ihre  lectiones  ordinaras
  solcher  Gestalt  einzurichten,  daß  auch  der  andern  Fakultäten
stuctosi  Nutzen  davon  haben  können!“  Nach  achtzigjährigem  Bestande
der  Universität  wurden  während  eines  ganzen  Jahrzehnts,  von  1745-  1755,
im  ganzen  224  Studierende  immatrikuliert.  Ja,  kurz  vor  ihrem  hundertjährigen
  Bestehen  wurden  bei  der  Universität  in  cinem  Semester
tdem  Wintersemester  1762/63)  —  3  Studierende  inskribiert!

In  letzten  Drittel  des  achtzehnten  Jahrhunderts,  in  dem  llolstein
an  Dänemark  kam,  wurden  die  finanziellen  Verhältnisse  der  Universität
  besser,  die  Zahl  der  an  ihr  wirkenden  Professoren  wuchs,  und
es  kamen  auch  mehr  Studenten,  tens  freiwillig,  teils  gezwungen  durch
die  vom  König  Christian  VTL  im  Jahre  1768  erlassene  Verordnung:
„daß  in  Unserem  Herzogtum  Schleswig,  im  Iierzogtum   1lolstein
Unsers  Anteils,  in  Unserer  Iierrschaft  Pinneberg,  Grafschaft  Rantzau
und  in  Unserer  Stadt  Altona  die  Unterthanen,  welche  sich  den
studiis  widmen  und  zu  solchem  Ende  auf  Akademien  begseben  wollen,
zwei  volle  Jahre  auf  der  Christian-Albrechts-Akademie  zu  Kiel  zu
studieren  schuldig  und  gehalten  sein  sollen  --  oder  gewärtigen
sollen,  daß  sie  zu  keiner  Beförderung  in  Unsern  llerzogtümern  weder
in  civilibus  noch  ecclesiasticıs  Hoffnung  haben  sollen."

Die  Universttät  blieb  auch  unterm  dänischen  Regime  stets  cine
Stätte  deutschen  Geisteslebens.  Im  letzten  Drittel  des  achtzehnten
Jahrhunderts  vertraten  die  namhaftesten  der  an  ihr  wirkenden  Lehrer
die  Ideen  der  rationalistischen  Aufklärung,  und  im  neunzehnten  Jahrhundert
  fanden  nach  und  neben  einander  die  deutsche  klassische
Philosophie  und  die  nationaldeutschen  ebenso  wie  die  konstitutionellen
Ideale  in  L.chrern  der  Kieler  Hochschule  beredte  Verkünder.  Was