Die  Königliche  Christian-  Albrechts-Universität  Kiel.  ll

die  Hochschule  für  das  Erwachen  und  die  Entwicklung  des  Nationalzefühls
  in  den  schleswig-holsteinischen  Landen  geleistet  hat,  bleibt
unvergessen,  und  längst  hat  ihr  die  vaterländische  Geschichtschreibung
für  ihren  Anteil  an  der  Erfüllung  des  Einheitstraumes  den  verdienten
Lorbeer  gereicht.  So  hat  ihr  auch  Treitschke,  der  ihrer  in  seiner
„deutschen  Geschichte"  oft  und  stets  rühmend  gedenkt,  mit  den
Worten  gehukdigt:  „Der  politische  Kampf  der  Kieler  Professoren
segren  die  «dänischen  Übergriffe  war  durchaus  berechtigt  und  heilsam:
sie  weckten  dem  schlummernden  Volke  der  deutschen  Nordmark  das
helle  Bewußtsein  seines  Volkstums,  und  sie  gaben,  inden  sie  das
historische  Recht  verteidigten,  der  nationalen  Bewegung  in  Schleswig-Holstein
  jenen  Charakter  besonnener  Mäßigung,  der  sie  so  auffillg
  von  den  anderen  nationalen  Erhebungen  des  Jahrhunderts
unterscheidet;  die  Saat,  die  diese  wäackeren  Kieler  Gelehrten  ausgestreut,

  trug  in  der  Stille  ihre  Frucht,  —  freudig  wie  nie  zuvor
schloß  sich  das  heranwachsende  Geschlecht  dem  großen  Deutschland

  an!“  Gegen  das  im  Jahre  1848  eingesetzte   eider-dänische

Ministerium  hatte  Schleswig-Holstein  zu  den  Waffen  gegriffen;  nachdem
  die  Erhebung  niedergeschkuren  war,  nahm  die  siegreiche  Reaktion
acht  Professoren  der  Kieler  Hochschule  wegen  ihres  demeonstrativ
anti-dänischen  Verhaltens  in  den  Kriegssjahren  ihr  Amt  (1852,.

Während  der  Epoche  der  Napoleonischen  Kriege  war  der
Besuch  der  Universität  durch  die  Studierenden  zurückgegangen:  von
167  im  Jahre  1796  auf  106  im  Jahre  1804  und  auf  74  im  Jahre  1807.
Aber  nachher  hob  sich  die  Frequenz  wieder,  so  daß  die  Zahl  der
Studierenden  in  der  Regel  zwei-  bis  dreihundert  betrug.  In  den
fünfziger  Jahren  trat  dann  wieder  cin  Rückgangs  cin,  der  die  Frequenz
auf  120-200  herabdrückte,  -  hauptsächlich  dadurch  verursacht,  daß
die  Studierenden  aus  Schleswig  von  der  dänischen  Verwaltung  mit
rfolg  dazu  angehalten  wurden,  der  Kopenhagener  Hochschule  den
Vorzug  vor  der  deutschen  Landesuniversität  zu  eben.

Die  Annexion  durch  Preußen  konnte  hieran  zunächst  nichts
ändern.  Denn  die  preußische  Unterrichtsverwaltung  hob  alsbald.
getreu  ihren  weitherzigen,  gegen  lokale  Privilegierung  gerichteten
Prinzipien,  jene  oben  erwähnte  Vorschrift  des  Bienniums  auf,  und
so  suchten  viele  Studierenden  des  schleswigr-holsteinischen  T.andes
in  größerem  Mäße  als  bisher  andere  deutsche  Universitäten  auf.

Die  preußische  Verwaltung  ließ  sich  dadurch  nicht  in  ihrem
Streben  beirren,  der  Universität  Kiel  ihre  besondere  Fürsorge  zuteil
werden  zu  lassen.  Schon  im  Jahre  der  Annexion  waren  neue  Pro-