Die  Königl.  Preußische  Albertus-Universität  zu  Königsberg  i.  Pr.  421

sogar  die  größte  Blütezeit  im  17.  und  18.  Jahrhundert  —  am  Anfang
  des  18.  Jahrhunderts  waren  in  Königsberg  über  1000  Studenten.

Die  ersten  2  Jahrhunderte  der  Universität  waren  namentlich  erfüllt
  durch  die  theologischen  Kämpfe  und  Kontroversen,  die  sich
über  das  Gebiet  der  theologischen  Fakultät  hinaus  auf  alle  übrigen
Fakultäten  ausdehnten.  Diese  theologischen  Streitigkeiten  gingen
besonders  von  dem  kampflustigen  Osiander  aus,  der  1548  zum
theologischen  Professor  in  Königsberg  ernannt  worden  war.

Hervorzuheben  ist  aus  der  ersten  Periode  der  Geschichte  der
Universität  der  damalige  größte  preußische  Dichter  Simon  Dach,
der  Verfasser  des  bekannten  Volksliedes  „Annchen  von  Tharau“,  der
1633  zum  Professor  der  Pocsie  an  der  Universität  ernannt  wurde.

Schwere  Zeiten  kamen  über  Königsberg  in  der  Periode  des
30jährigen  Krieges,  alles  zeigte  sich  im  Verfall,  die  Gebäude  der
Universität,  wie  der  Geist,  der  die  Studierenden  und  Professoren  beseclte.
  Große  Verbesserungen  wurden  wieder  Ende  des  17.  und  Anfang
  des  18.  Jahrhunderts  herbeigeführt.  Der  große  Kurfürst,  ebenso
wie  Friedrich  IL,  Friedrich  Wilhelm  I.  und  Friedrich  I.  bemühten
sich,  durch  größere  materielle  Beihilfen  das  äußere  Anschen  der
Universität  wieder  zu  heben.

Zu  ihrer  höchsten  Blüte  und  zum  größten  Anschen  gelangte  die
Universität  Königsberg,  als  das  leuchtende  Gestirn  am  Horizont  der
alma  mater  aufging,  das  für  alle  Zeiten  und  Völker  Licht  über  alle
Wissensgebicte  ausstrahlte:  Immanuel  Kant.  Kant  ist  sein  ganzes
Leben  hindurch  stets  mit  Königsberg  aufs  engste  verbunden  gewesen.
Er  wurde  am  22.  April  1724  in  Königsberg  als  Sohn  cines  Sattlers
geboren,  hat  an  der  Universität  Königsberg  studiert  und  sich  dort  1755
als  Privatdozent  habilitiert.  1770  wurde  er  dort  ordentlicher  Professor
der  Philosophie,  welche  Stellung  er  bis  zum  Jahre  1797  inne  hatte
(er  starb  1804).  Der  Ruf  Kants,  der  der  Universität  treu  blieb,  trotzdem
  er  chrenvolle  Berufungen  nach  auswärts  erhielt,  zog  Studenten
und  Gelchrten  aus  allen  ländern  nach  Königsberg.  Neben  Kant  ist
sein  Zeitgenosse  Joh.  Jac.  Kraus  zu  nennen,  der  im  Kantischen  Geiste
gebildet  und  tätig  war.  Er  wirkte  von  1781—1807  als  Professor  der
praktischen  Philosophie  und  der  Kameralwissenschaft.  Von  Kraus  ist
nachhaltigste  Anregung  ausgegangen  sowohl  auf  die  Wissenschaft,  als
auf  die  Praxis.  Er  verstand  es,  die  Gedanken  der  Kantischen  Philosophie
zugleich  mit  den  volkswirtschaftspolitischen  Ideen  des  Adam  Smith
dem  Verständnis  seiner  Hörer  nahezubringen.  Auf  die  Stein-Harden-