492  Die  einzelnen  Universitäten.

bergische  Reforngescetzgebung  hat  er  dadurch  indirckt  großen  Einfluß
  gewonnen.

Kants  unmittelbarer  Nachfolger  auf  dem  philosophischen  Lehrstuhl,
  Wilh.  Traugott  Krug,  wirkte  nur  von  1805—1808  an  der
Universität  und  konnte  somit  keinen  großen  Einfluß  ausüben.  Umso
mehr  verstand  es  sein  Nachfolger  J.  F.  Herbart,  in  den  weitesten
Kreisen  anregend  zu  wirken;  zur  Durchführung  seiner  praktischpädagogischen
  Bestrebungen  diente  das  1810  gegründete  pädagogischdidaktische
  Seminar.  Nach  Herbarts  Übersiedelung  nach  Göttingen
war  das  Fach  der  Philosophie  in  glänzender  Weise  durch  Rosenkranz
vertreten.

Nicht  nur  in  den  Geisteswissenschaften,  auch  in  der  Naturwissenschaft
  trat  Königsberg  in  die  vorderste  Reihe  der  deutschen
Universitäten,  besonders  als  1810  Friedrich  Wilhelnn  Bessel  zum  Professor
  der  Astronomie  ernannt  wurde;  für  Bessel  wurde  1811  eine
Sternwarte  gebaut;  die  von  dort  ausgehenden  Untersuchungen  haben
epochemachend  gewirkt  und  auf  die  Entwicklung  der  Astronomie
und  Mathematik  einen  bahnbrechenden  Einfluß  ausgeübt.

Neben  Bessel  trugen  Franz  Ernst  Neumann,  der  der  Albertina
  von  1826  bis  zu  scinem  Tode  1895  angehört  hat,  der  ausgezeichnete
  Vertreter  der  mathematischen  Physik,  sowie  der  geniale
Mathematiker  Jacob  Jacobi,  der  von  1827—1842  in  Königsberg
wirkte  und  das  erste  mathematische  Seminar  begründete,  dazu  bci,
den  Ruhm  Königsbergs  als  einer  der  ersten  Hochschulen  für  Mathematik
und  Naturwissenschaften  aller  Welt  zu  verkünden.  Die  chrenvollen
Traditionen  der  Jacobischen  Periode  wurden  von  dem  Mathematiker
Richelot,  der  von  1843—1875  das  Ordinariat  für  Mathematik  bekleidete,
  und  Otto  Hesse,  der  von  1840  .-1868  als  Extraordinarius
für  Geometrie  tätig  war,  aufrecht  erhalten.

Vor  diesen  Meistern  der  Naturwissenschaften  war  der  1819  verstorbene
  Professor  Karl  Gottfried  Hagen  eifrig  für  die  Verbreitung
naturwissenschaftlicher  Kenntnisse  tätig;  er  hat  lange  Zeit  hindurch
5  Fächer  der  XNaturwissenschaft,  Zooloriec,  Botanik,  Mineralogie,
Physik  und  Chemie  mit  größtem  Erfolg  gelesen;  durch  sein  „Lehrbuch
der  Gartenbaukunst“  hat  er  die  wissenschaiftliche  Behandlung  der
Pharmakognosie  und  Pharmazie  mit  begründet;  er  leitete  die  Einrichtung
  des  Botanischen  Gartens,  dessen  erster  Direktor  der  als
Botaniker  und  Zoologe  ausgezeichnete  August  Friedrich  Schweigger
war.  Auch  die  Medizin,  für  welche  in  damaliger  Zeit  noch  schr
mangelhaft  gesorgt  war,  erhielt  durch  dieses  Aufblühen  der  Natur-