Die  Königl.  Preußische  Albertus-Universität  zu  Königsberg  i.  Ur.  323

wissenschaften  nachhaltigste  Förderung,  —  in  noch  höherem  Grade
kam  sie  zur  Blüte,  als  im  Jahre  1814  der  ausgezeichnete  Dorpater
Anatom  Karl  Friedrich  Burdach  zum  Professor  der  Anatomie  in
Königsberg  ernannt  wurde;  seiner  Energie  ist  die  Errichtung  eines
eigrenen  Hauses  für  anatomische  Zwecke  zu  danken;  wesentlich  unterstützt
  wurde  er  durch  seinen  Proscktor  Ernst  von  Baer,  der  1822
zum  Ordinarius  für  Anatomie  und  Zoologie  ernannt  wurde.  Nach  dem
Tode  Burdachs  wurde  seine  Professur  ein  Jahr  lang  durch  Ernst
Brücke,  dann  aber  von  1849—1855  durch  Hermann  Ilelmholtz
bekleidet,  eine  der  größten  Zierden  der  deutschen  Wissenschaft,  ebenso
  ausgezeichnet  als  Physiologe,  wie  als  Physiker  und  Mathematiker.

Um  das  Fach  der  Chirurgie  hat  sich  Albrecht  Wagner  besondere
  Verdienste  erworben,  der  von  1858—1871  in  Königsberg
lehrte.  Als  Vertreter  der  Augenheilkunde  ist  Jac.  Jacobson  zu
nennen,  der,  seit  1859  außerordentlicher  Professor,  als  Lehrer  und
Forscher  erfolgreich  wirkte.

Für  die  Pflege  der  klassischen  Philologie  war  es  von  entscheidender
  Bedeutung,  daß  1814  Ch.  Aug.  L.obeck  zum  Ordinarius  für
dieses  Fach  an  die  Universität  berufen  wurde.  Fast  ein  halbes  Jahrhundert
  lang  gehörte  er  der  Albertina  an  und  er  verstand  es,  in  dieser
Zeit  für  die  Wissenschaft  des  klassischen  Altertums  die  größte  Begeisterung
  zu  erwecken.  Neben  Lobeck  wirkte  Karl  l.achmann  von
1818--1824  als  Germanist.  Königsberg  war  cine  der  ersten  Universitäten,
  wo  die  junge  germanistische  Wissenschaft  eine  Vertretung  crhielt.
  In  Karl  Lchrs,  der  sich  1831  an  der  Albertina  habilitierte,
erhielt  Tobeck  einen  würdigen  Nachfolger,  der  als  L.chrer  und  Gelehrter
  in  hohem  Anschen  stand.

Unter  den  Historikern,  die  ın  Königsberg  wirkten,  hat  sich  Karl
August  Drumann  besonders  verdient  gemacht.  Von  1817  ab
hat  er  fast  vier  Jahrzehnte  hindurch  neben  seinem  besonderen  Studieneebicte,
  der  alten  römischen  Geschichte,  auch  die  neuere  und  neucste,
sowie  die  allgemeine  Kulturgeschichte  in  seinen  Vorlesungen  behandelt.
  In  späterer  Zeit  und  zwar  von  1862—1871  hat  der  Historiker
Karl  Wilh.  Nitzsch  namentlich  auf  dem  Gebiet  der  Wirtschaftsgeschichte
  bedeutende  Arbeiten  geliefert.

Aus  der  juristischen  Fakultät  set  der  Name  von  Eduard  Simson
hervorgehoben,  der  sich  1831  in  Königsberg  habilitierte,  1833  Extraordinarius
  und  1836  Ordinarius  wurde.  Simson  hat  bekanntlich  im
politischen  l.eben  Deutschlands  als  Präsident  der  Nationalversammlung
und  des  Reichstages  cine  hervorrasende  Rolle  gespielt.  Von