J3U)  Die  einzelnen  Universitäten.

1821,  indem  sie  damals  unter  dem  Kinilnß  der  Unionsbewegung  freiwillig  lutherische  Mitglieder
  in  sich  aufnahm.

Unter  den  Theologen  des  18.  Jahrhunderts  ragten  hervor  J.  Chr.  Kirchmeier
(1723—43)  und  der  Schweizer  D.  Wyttenbach  (1756—  1779),  unter  den  Philologen  der
Begründer  des  Studiums  des  Armenischen  J.  T.  Schröder.  Unter  den  Juristen  lebt  besonders
  das  Gedächtnis  an  den  vielseitigen  Kanzler  Estor  (1742—  1773)  infolge  des  Vermüchtnisses
  seiner  schönen  Bichersainmlung  an  die  Universität  fort.

Bis  zum  Regierungsantritt  des  letzten  Tandgrafen  (1785)  waren  die  medizinischnaturwissenschaftlichen
  Fächer  wenig  entwickelt  und  ihr  Studium  schr  vernachlässigt.
Immerhin  hat  der  Physiker  P’apin  kurz  in  Marburg  gelehrt  (1688—1695).  1761--1762
war  die  medizinische  Fakultät  unbesetzt;  das  Interesse  des  Ilofs  wie  der  Repierung  konzentrierte
  sich  damals  auf  die  Pflege  des  Collegium  Carolinum  in  Cassel,  das  sich  seit
1700  mehr  und  mehr  zu  einer  medizinisch-naturwissenschaftlichen  Fachschule  ausgewachsen
hatte.  Erst  unter  Landgraf  Wilhelm,  der  diese  hötische  Gründung  schloß  und  5  ihrer
l.ehrkrüfte,  darunter  den  Geburtsheller  Stein,  nach  Marburg  versetzte,  begann  seit  1786
in  kleinen  ebenfalls  dorthin  verlegten  Instituten  der  moderne  klinisch-experimentelle  Unterricht
  in  diesen  Fächern.  Überhaupt  wurden  bis  zum  Ende  des  Jahrhunderts  die  I.chrkräfıe
  gegen  1769  gerade  verdoppelt  (1794  29).  Es  wirkten  in  jener  Zeit  der  Mediziner
Baldinger,  der  Zouloge  und  Anatom  Tiedemann,  der  Philologe  Creuzer,  der
Kanneralist  Jung-Stilling  und  der  Jurist  von  Savigny  neben-  und  kurz  nacheinander,

Aber  freilich  war  die  Ausstattung  der  Universitätsinstitute  eine  mehr  als  bescheideue.
Erst  die  Regierung  des  Königreichs  Westfalen  (1806  —1813)  suchte  Marburg  zu  heben,
wozu  die  aufgehobenen  Hochschulen  von  Rinteln  und  Helmstedt  teilweise  die  Mittel  boten.
Freilich  nach  der  Vertreibung  der  Franzosen  erkannte  der  hessische  Kurfürst  diese  Zugreständnisse
  erst  garnicht,  nachher  nur  teilweise  an.  Die  Fortschritte  waren  überhaupt
während  des  folgenden  halben  Juhrhunderts  schr  langsam,  wenn  sich  auch  von  1831  bis
1850  der  Landtag  in  der  Kegel  auf  die  Seite  der  Universität  stellte.  An  den  waßgebenden
Stellen  dagegen  bestand  nur  geringes  Verständnis  für  die  Pflege  der  Wissenschaft.  Nur
die  Anfange  der  sonst  so  vielgetädelten  llassenpflugschen  ersten  Verwaltung  (1832  ff.)  und
die  letzten  Jahre  des  Kurfürstentums  zeigen  etwas  größeres  Entgegenkommen.

So  stieg  zwar  die  Summe  der  sämtlichen  Staatszuschüsse  für  Universitätszwecke
(ohne  Zuschusse  zu  Neubauten)  von  18%0  17450  bis  1832  auf  40  835  'IIr.,  aber  sie
betrug  auch  1846/48  nur  42000  TIr.  und  verinehrte  sich  von  da  an  weiter  viel  zu
langsam  bis  1855,62  auf  47  497,  1863,64  auf  52757  und  1865,66  auf  57  197  'VIr.  Denn
gleichzeitig  mußte  cin  großer  Teil  des  Universitätsvermögens  eingezehrt  werden.

Die  fulgende  Tabelle  zeigt  auf  Grund  von  Rechnungen  und  Akten  für  die  Zeit
von  1807—1865  noch  genauer  die  Dotation  der  einzelnen  Universitätsinstitute.  Auch
die  Entstehungszeit  der  letzteren  läßt  sich  aus  ihr  ungefähr  entnehmen.

Anmerkungen  zur  folgenden  Tabelle,

1.  —  22  das  Institut  bestand  noch  nicht,  O  das  Institut  bestand,  hatte  aber
noch  keinen  Stautszuschuß,

2,  1813  (französische  Verwaltung)  und  1832  1.  (wo  der  Staat  die  Pflicht  anzuerkennen
  begann,  das  Detizit  der  Universitätsfonds  zu  decken),  sind  auch  die  kleinen
Zuschüsse  aus  letzteren  mit  enthalten.  Fur  die  übrigen  Jalre  ist  ihr  Betrag  ans  den  Anmerkungen
  zu  erschen.

3.  1813  sind  1000  fr.  =  2573  Tlr.  gesetzt.

4.  Naturalbezüge  sind  weggelassen.

5.  Aufgenommen  sind  die  verwilligten  (nicht  die  wirklich  gezahlten)  Zuschüsse.