4.34  Die  einzelnen  Universitäten.

Die  Hauptursache  dieser  Entwicklung  wird  man  allerdings  darin
zu  erkennen  haben,  daß  die  preußische  Unterrichts-  wie  die  Finanzverwaltung
  die  klar  vorgezeichneten,  übrigens  auch  der  Assimilierung
der  neuen  Provinz  förderlichen  Aufgaben  systematisch  verfolgt  und
sachgcmäß  erledigt  hat.

Wie  sie  die  Vorbedingungen  für  die  Pflege  und  Lehre  der
Wissenschaft  in  den  vergangenen  40  Jahren  verbessert  hat,  das  kann
hier  nur  in  einzelnen  Beziehungen  kurz  skizziert  werden.

Außerlich  tritt  diese  Sorge  vor  allem  ins  Auge  in  der  außerordentlichen
  Erweiterung  der  Gebäude  für  Universitätszwecke.
Waren  cs  vor  1866  die  Bedürfnisse  der  selbständigen  Institute,  so
traten  nun  zunächst  die  Interessen  der  allgemeinen  Verwaltung  und  des
nicht  in  besonderen  Instituten  erfolgpenden  Unterrichts  in  den  \’ordergrund.
  Diese  Interessen  waren  bisher  bei  der  Stagnation  der  Frequenz
mit  Recht  zurückgesetzt  worden,  was  aber  doch  eben  zur  Folge  hatte,
daß  viele  Vorlesungen  in  der  Privatwohnung  der  Dozenten  gehalten
werden  mußten.  Auf  den  Grundmauern  des  alten  Dominikanerklosters,
das  1527  die  Juristenfakultät  und  das  Pädagrogium  aufgenommen  hatte,
erhob  sich  1873—79  in  wirkungsvoller  Lage  cin  neuer  gotischer  Universitätsbau,
  dem  1886—91  dann  noch  ein  weiterer  Flügel  mit  Aula
angefügt  wurde.

Auch  für  die  Bibliothek  wurde  dank  der  neueren  Zunahme  des
Bücherbestandes  ein  Neubau  notwendig,  der  in  mustergültiger  Weise
10  fertig  gestellt  wurde.  In  deren  früheren  Räumen  sind  dann  für
die  juristische  und  philosophische  Fakultät  Seminare  geschaffen  worden,
die  Ende  des  gleichen  Jahres  bezogen  werden  konnten.  Wegen  der
vielen  Neu-  und  Erweiterungsbauten  der  l'achinstitute,  unter  denen
die  Kliniken  mit  zusanımen  350  Krankenbetten  weit  voran  stehen,
muß  aufdie  Zusammenstellung  imfolgenden  Abschnitt  verwiesen  werden.
Sie  haben  dazu  beigetragen,  das  Stadtbild  vollständig  zu  verändern.  In
den  außerordentlichen  Ausgaben  der  letzten  Jahrzchnte  (s.  statistische
Tabellen  am  Ende)  kommen  diese  Aufwendungen  übrigens  nicht  crschöpfend
  zum  Ausdruck,  da  besonders  die  klinischen  Bauten  nur
zum  kleinsten  Teil  aus  staatlichen,  zum  größten  aus  kommunalständischen
  Mitteln  erbaut  worden  sind.  Soweit  Marburg  1866  hinter
anderen  kleineren  Universitäten  zurückstand,  so  schr  rangiert  es  heute
in  bezug  aufBaulichkeiten  in  fast  allen  wichtigen  Fächern  auf  gleicher
Linie  mit  der  großen  Mehrzahl  der  mittleren  Hochschulen.

Weiter  kennzeichnet  sich  der  Geist  der  neuen  Verwaltung  dadurch,
  daß  alle  Lücken  der  wissenschaftlichen  Arbeitsteilung