Die  Königl.  Preußische  Universität  zu  Marburg  i.  II.  435

ausgefüllt  und  ihrer  von  Wissenschaft  und  Praxis  in  den  letzten  Jahrzehnten
  geforderten  Weiterentwicklung  erfreuliche  Unterstützung  gewährt
  worden  ist.  Das  Bedürfnis  dafür  war  besonders  groß  in  der
medizinischen  und  philosophischen  Fakultät.  Den  neuen  Professuren
folgten  neue  Forschungs-  und  Unterrichtsanstalten.  Auch  in  Fächern,
in  denen  besondere  Einrichtungen  bisher  nicht  üblich  waren,  sind
Händbibliotheken  und  besondere  Sammlungs-  und  Scminarübungsräume
  geschaffen  worden.

Seit  1872  bezicht  Jdas  theologische  Seminar  eine  Staatsdotation.
Ferner  besteht  seit  1878  cin  der  ganzen  Fakultät  gemeinschäftliches
juristisches  Seminar  mit  besonderen  Mitteln,  seit  1885  ein  christlich
archäologischer  Handapparat.

In  der  medizinischen  Fakultät  wurden  errichtet  neue  Ordinariate
für  pathologische  Anatomie  1867,  für  Augenheilkunde  1873,  für  Irrenheilkunde
  1877,  für  Hygiene  1889,  ferner  ctatsmäßige  F.xtraordinariate
für  Anatomie  1870,  für  die  medizinische  Poliklinik  1889,  für  Rhinologie
1898,  für  gerichtliche  Medizin  1902.

In  ungefähr  dieselbe  Zeit  fällt  die  Errichtung  besonderer  Anstalten
  für  diese  Fächer.  Außerdem  wurde  18%  ein  zahnärztliches
Institut  begründet.  Eine  im  In-  und  Ausland  gleich  hoch  geschätzte
Besonderheit  Marburgs,  die  an  die  Person  des  derzeitigen  Direktors
(von  Behring)  anknüpft,  ist  das  Institut  für  Serunitherapie,  das  1896
vom  hygienischen  Institut  abgezweigt  worden  und  dazu  bestimmt  ist,
der  Erkenntnis  und  Bekämpfung  der  Infektionskrankheiten  neue  Wege
zu  weisen.

In  der  philosophischen  Fakultät  war  besonders  dringend  die
Einrichtung  von  Lehrstühlen  für  die  moderne  Philologie.  In  rascher
Folge  entstanden  Ordinariate  für  vergleichende  Sprachwissenschaft
1869,  für  abendländische  Sprachen  1870.  Die  Teilung  letzteren
Gebiets  in  cin  anglistisches  und  ein  romanistisches  Fach  vollzog  sich
1884  durch  Errichtung  eines  Extraordinariats  für  ersteres.  Semitische
Sprachen  wurden  ordentliches  Lehrfach  1885.  Der  Altertumswissenschaft
  wuchs  1890  ein  Ordinariat  für  Archäologie  (nominell  auch  für
Kunstgeschichte)  zu.  Die  Seminareinrichtungen  für  die  moderne
Philologie  datieren  alle  von  1875.  Denjenigen  des  romanistisch-anglistischen
  Seminars  wurde  1893  ein  phonetisches  Kabinet  zur  Untersuchung
  der  L.autbildung  beigefügt.

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In  den  letzten  10  Jahren  wurden  ferner  durch  den  Etat  Extraordinariate
  geschaffen  für  deutsche  Philologie  und  Litteratur  (1892),
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