430  Die  einzelnen  Universitäten.

klassische  Philologie  (1893),  historische  Hilfswissenschaften  (1893),  für
die  im  folgenden  Jahr  ein  besonderes  Seminar  errichtet  wurde,  ferner
für  Staatswissenschaften  (1894)  und  vergleichende  Sprachwissenschaft
(1901).  Verhältnismäßig  spät  (1900)  ist  ein  staatswissenschaftliches
Seminar  mit  eigener  Dotation  begründet  worden.

In  den  Naturwissenschaften  liegt  der  Schwerpunkt  mehr  in  der
Vergrößerung  der  schon  vor  1866  begründeten  Anstalten.  Daneben
aber  ist  doch  die  Entwicklung  bezeichnet  durch  die  Einführung  der
Geographie  (1875)  und  die  Abzweigung  der  Geologie  von  der  Mineralogie
  (1878)  als  besondere  ordentliche  I,ehrgebiete  mit  eigenen
wissenschaftlichen  Apparaten;  ferner  entstanden  etatsmäßige  Extraordinariate
  für  Physik  (1896)  und  für  Botanik  (1896).  1885  ist
das  mathematische  Seminar  vom  physikalischen  Institut  losgelöst
worden.

Überblickt  man  diese  Entwicklung,  so  erscheint  sie  riesenhaft
gegenüber  der  Zeit  von  1810—1860.  Die  Dotationen  des  Staates  im
ganzen,  in  denen  ja  schließlich  alle  laufenden  Mehrleistungen  zum
Ausdruck  kommen,  haben  sich  seit  1850  fast  versechsfacht,  gegen
1865  vervierfacht.  Und  dasselbe  Bild  zeigt  sich,  wenn  die  unten  zusammengestellten
  Dotationen  für  die  einzelnen  Institute  mit  der
näheren  oder  entfernteren  Vergangenheit  verglichen  werden.  Zu
wünschen  bleibt  jedoch  eine  reichere  Ausstattung  der  kleinen  Seminare
  und  größere  Berücksichtigung  der  neueren  Kunstgeschichte.

Die  persönlichen  Verhältnisse  der  Universitätslehrer  haben
sich  ebenfalls  von  Grund  auf  gewandelt.  Allmählich,  namentlich  seit
dem  Beginn  der  siebziger  Jahre,  sind  die  Gehalte  mit  denen  der  altpreußischen
  Universitäten  in  ein  näheres  Verhältnis  gebracht,  d.  h.
schr  erheblich  erhöht  worden.  Die  Zugehörigkeit  zu  einem  großen
Staat  brachte  in  den  Lehrkörper  frisches  Leben;  nur  wegen  der
Kleinheit  des  Orts  haftet  der  Hochschule  der  Charakter  der  Provinzial-Universität
  an:  Mehr  noch  als  früher  mischen  sich  heute  in  ihr  im
Gegensatz  zu  den  östlichen  preußischen  Universitäten  die  Angehörigen
der  verschiedenen  deutschen  Stämme.  Freilich  ist  darüber  auch
die  hessische  Figenart  und  die  frühere  Fühlung  der  Universitätslehrer
mit  der  Provinz  fast  ganz  geschwunden,  was  in  mancher  Beziehunir
bedauert  werden  kann.

Und  dies  ist  auch  der  Grund,  weshalb  auch  heute  der  Personalwechsel
  kaum  irgend  wo  so  stark  ist,  wie  in  Marburg.  Bleibt  cs  so