Die  Königl.  Preußische  Universität  zu  Marburg  i.  H.  437

das  Schicksal  der  Universität,  daß  ihr  immer  wieder  die  besten  Kräfte
entzogen  werden,  so  ist  cs  doch  ihr  Ehrentitel,  daß  sie  sie  fand.
Übrigens  manche  Männer  haben  wie  früher,  so  auch  heute  den  verlockendsten
  Rufen  in  größere  Wirkungs-  und  vielseitigere  Gesellschaftskreise
  die  Anmut  der  hessischen  Landschaft  und  das,  der  geistigen
Vertiefung  förderlichere  und  intimere  Universitätsleben  in  der  Kleinstadt
  vorgezogen.

Unter  den  Toten  der  letzten  Jahrzehnte  ragen  als  Schriftsteller
oder  Lehrer  hervor  der  Philosoph  Albert  Lange  (7  1875),  der  Rechtshistoriker
  W.  Arnold  (f  1889),  der  Anatom  N.  Lieberkühn  (f  1887),
der  Botaniker  Wiegand  (7  1886),  der  Chirurg  W.  Roser  (}  1888),
der  Physiologe  Nasse  (F  1879),  der  Diabetesforscher  Külz  (F  1895),
der  Jurist  Übbelohde  (F  1898).  Nur  vorübergehend  wirkten  hier  der
Historiker  Pauli  (bis  1870),  der  Zoologe  Clauß  (bis  1870)  und  der
Staatsrechtslehrer  G.  Meyer  (bis  1875).

Auch  in  der  Frequenz  der  Universität  während  der  letzten
Jahrzehnte  (siche  die  Zahlen  am  Schluß)  zeigen  sich  die  guten  Früchte
der  Zugehörisrkeit  zu  einem  größeren  Ganzen.  Schon  in  den  ersten
Jahren  nach  1866  strömten  die  Kurhessen  nach  Marburg  zurück.
Gießen,  das  die  Stammverwandten  immer  gerne  aufgenommen  hatte,
verlor  augenfällig  unter  dieser  Rückkehr  natürlicher  Verhältnisse.  Die
Zunahme  seit  der  Gründung  des  Reichs  vollends  geht  weit  über  die
der  anderen  deutschen  oder  preußischen  Universitäten  hinaus.
Während  1855/65  nur  ungefähr  2%,  aller  deutschen  Studenten  in
Marburg  studiert  hatten,  stieg  diese  Quote  in  den  achtziger  Jahren
auf  3,  in  den  letzten  Jahren  auf  4  (und  in  den  Sommern  sogar  auf
mehr)  Prozent.  Unter  den  preußischen  Universitäten  nahm  Marburg
zu  Anfang  der  sicbziger  Jahre  kaum  5,  Ende  der  achtziger  Jahre
über  6,  heute  etwa  7%,  der  Studierenden  auf.  Der  Anteil  der  Reichsausländer
  hat  sich  in  den  letzten  10  Jahren  ebenfalls  stark  (bis  auf
etwa  6  9%;,)  erhöht.  Besonders  die  theologische  Fakultät  und  einzelne
naturwissenschaftliche  Disziplinen  ziehen  Ausländer  herbei.  Zun  Teil
wirken  aber  auch  die  Ferienkurse  mit,  die  seit  1898  alljährlich  vorzugsweise
  für  Ausländer  abgehalten  werden.

3.  Gegenwärtiger  Zustand  (Sommer  IWW).

I.  Die  evangelisch-theologische  Fakultät  zählt  6  ordentliche”),
2  außerordentliche  Professoren  und  3  Privatdozenten.  Ts  besteht

*}  Ihre  Namen  sind  W.  Ilerrmann,  Achelis,  Jülicher,  Budde,  Mirbt,  J.  Weiß.