X.  Die  Königliche  Universität  Münster  i.  W.

I.  Geschichtliche  Übersicht.

Münster  war  bereits  im  18.  Jahrhundert  der  Sitz  einer  Universität.
  Sie  war  auf  Grund  der  Stiftungsbriefe  des  Papstes  Clemens
  XIV.  und  des  Kaisers  Joseph  II.  im  Jahre  1773  durch  den  Kurfürsten
  von  Köln  Maximilian  Friedrich  gesründet  worden”).  Die
Mittel  sollten  aus  dem  Vermögen  des  Frauenstiftes  Überwasser  geschöpft
  werden,  das  von  seiner  Regel  und  Bestimmung  abgewichen
und  der  Verweltlichung  anheim  gefallen  war  und  mit  päpstlicher  Erlaubnis
  aufgehoben  werden  sollte.  Diese  mit  Pensionen  und  Zinszahlungen
  belasteten  Einkünfte  des  stark  verschuldeten  Frauenstiftes
gestätteten  aber  nur  cin  langsames  Vorgehen.  Trotz  der  eifrigen
Bemühungen  des  Ministers  und  Generalvikars  Freiherrn  von  Fürstenberg,
  der  die  eigentliche  treibende  Kraft  war  und  nachhaltig  die
Hochschulinteressen  vertrat,  gelang  erst  nach  sieben  Jahren  der  Vorbereitung
  die  Konstituierung  der  Universität.  1780  konnten  die  katholisch-theologische,
  die  juristische  und  philosophische  Fakultät  eröffnet
werden.  Wegen  der  Beschränktheit  der  Mittel  mußten  die  Il.chrstühle
  der  medizinischen  Fakultät  erst  allmählich  besetzt  werden.
Fürstenberg  war  aber  gleichwohl  unermüdlich  für  seine  L.icblingsstiftung
  tätige  und  vermochte  es  zu  erreichen,  daß  die  junge  Hochschule
  Anerkennenswertes  im  Kreise  ihrer  älteren  Schwestern  leistete
und  der  Mehrzahl  der  kleinen,  damaligen  Provinzuniversitäten  ebenbürtig
  zur  Seite  stand,  ja  manche  unter  ihnen  an  wissenschaftlicher
Bedeutung  überragte.

Die  weitergehenden  Pläne  Fürstenbergs  wurden  durch  die  politischen
  und  kriegerischen  Freignisse,  vor  allen  durch  die  Besetzung
des  linken  Rheinufers  durch  die  Franzosen  und  den  mehrfachen

*,  Pieper,  Die  alte  Universität  Münster  1773—1818,  Münster  1%2.  gr.  8°.  98.