4406  Die  einzelnen  Universitäten,

je  eines  für  Philosophie,  für  klassische  Philologie,  für  Geschichte  und
Literatur,  für  Mathematik  und  Physik  und  für  die  beschreibenden
Naturwissenschaften  bestand,  kamen  1858  zwei  ordentliche  Professuren
und  1868  cine  dritte  hinzu.  Daneben  waren  noch  6  FErtraordinariate
vorhanden.  Finen  entscheidenden  Wendepunkt  bildet  das  Jahr  1875.
Nach  wiederholten  Vorstellungen  höheren  Orts  gelang  ein  weiterer
‚Ausbau  der  Fakultät.  Es  wurden  6  neue  Ordinariate  errichtet,  bei
denen  außer  Geschichte  und  neuerer  Philologie  besonders  Mathematik
und  Naturwissenschaften  berücksichtigt  wurden  und  in  ähnlicher  Weise
wurde  die  Zahl  der  Extraordinariate  vermehrt.  3  neue  Seminare  für
Geschichte,  Mathematik  und  neuere  Philologie  wurden  begründet.
Ein  neues  Auditoriengebäude  und  ein  chemisches  Laboratorium  wurden
erbaut.  Hbenso  wurde  cin  archäologisches  Museum,  ein  botanisches
  Institut,  ein  geographischer  Apparat  und  ein  Kabinett  für  mittelalterliche
  und  neuere  Kunst  errichtet.  Die  Etats  der  Institute  wurden
reicher  bedacht  und  auch  der  Bibliotheksfonds  wurde  crheblich  vermehrt.
  Dieser  Ausbau  war  von  1875—1888  vollendet.  Auch  die
katholisch-theologische  Fakultät  wurde  erweitert.  Die  Lehrstühle  wurden
um  2  Ordinariate  und  3  Extraordinariate  vermehrt.  Im  Jahre  1885
bis  1886  ward  cın  theologisches  Seminar  in  5  Abteilungen  gegründet.

Zur  Volluniversität  fehlten  der  Akademie  Münster  noch  cine
juristische  und  cine  medizinische  Fakultät,  die  s.  Zt.  im  Jahre  1818
abgetrennt  worden  waren.  Von  Seiten  der  akademischen  Körperschaften
  fehlte  es  zwar  nicht  an  wiederholten  Vorstellungen  bein
Ministerium  in  den  50er,  ®er  und  70er  Jahren,  die  vor  allem  auf  die
Angliederung  ciner  Juristenfakultät  gerichtet  waren.  Sie  blieben  aber
zunächst  ohne  Erfolg.  Erst  im  Jahre  1900  trat  eine  \Vendung  ein,
nachdenı  die  Situation  zur  Erweiterung  besonders  günstig  geworden
war.  Neben  dem  \Wohlwollen  des  Leiters  der  Unterrichtsverwaltung
und  dem  Entgegenkommen  der  beiden  Häuser  des  Landtags  zeigte
sich  auch  die  Provinz  Westfalen  und  die  Stadt  Münster  zu  finanziellen
Opfern  im  Interesse  der  Sache  bereit.  Die  vereinten  Bemühungen
aller  Beteiligten  waren  denn  auch  von  Erfolg  gekrönt.  Durch  Allerhöchste
  Kab.-O.  vom  1.  Juli  1902  wurde  die  Angliederung  einer
rechts-  und  staatswissenschaftlichen  Fakultät  an  die  bisherige  Akademie
angeordnet  und  diese  zur  „Universität  Münster“  erhoben.

Eine  medizinische  Fakultät  fehlt  unserer  Hochschule  zur  Zeit
noch.  Hoffen  wir,  daß  sic  bald  der  neu  errichteten  rechts-  und  staatswissenschaftlichen
  Fakultät  nachfolgen  und  den  Bau  der  Alma  Westfaliac
  vollenden  mögre!