XI.  Die  Königl.  Bayerische  Ludwig-Maximilians-Universität
  zu  München.

I.  Geschichtliche  Übersicht.

Die  heutige  Ludwig  -  Maximilians-  Universität  in  München  ist
ursprünglich  in  Ingolstadt  und  zwar  von  Ludwig  dem  Reichen,
Herzog  von  Ober-  und  Niederbayern  gegründet  worden.  Die  päpstliche
  Bestätigungsbulle  dieser  nach  dem  Muster  der  Wiener  (mittelbar
also  der  Pariser)  zu  errichtenden  Universität  stammt  aus  dem  Jahre  1459,
kriegerische  Ereignisse  verzögerten  aber  die  Eröffnung  der  Universität
bis  zum  Jahre  1472.  Die  neugegründete  Universität  zerfiel  in  vier
Fakultäten:  die  theologische,  die  juristische,  die  medizinische  und  die
Artisten-  oder  philosophische  Fakultät.  Letztere  war  in  der  ersten
Zeit  der  Ingolstädter  Universität  von  besonderer  Bedeutung  und  zerfiel
  entsprechend  dem  damals  allerwärts  entstandenen  Gegensatz  der
„via  antiqua“  und  „via  moderna“  einige  Zeit  hindurch  in  zwei  mit
besonderem  Dekan  und  Konsilium  ausgestattete  Abteilungen.  Der
Nachfolger  des  Stifters  der  Universität,  Herzog  Georg  der  Reiche,
gründete  das  noch  heute  als  theologisches  Konrikt  bestehende  Collegium
  Georgianum,  als  eine  Art  Bursc  für  ärmere  Studierende,  welche
zuerst  Philosophic,  dann  Theologie  studieren  sollten.

Mit  einem  Durchschnittsbestand  von  5-  bis  (MV  akademischen
Bürgern  stand  die  Ingolstädter  Ilochschule  in  der  Zeit  des  Humanismus
  den  übrigen  Hochschulen  jener  Zeit,  insbesondere  jenen  in
deutschen  Landen  vollberechtigt  und  ebenbürtig  zur  Seite.  Damals
Ichrten  in  Ingolstadt  u.  a.  Johann  Engel,  Konrad  Celtes,  Jakob  Locher
Philomusos,  Johann  Turmair  Aventinus,  Appianus,  Urbanus  Regius,
für  kurze  Zeit  Reuchlin.  (Erasmus  hatte  cine  Berufung  nach  Ingolstadt
abgeschlagen.)

In  der  Reformationszeit  nahm  dic  Universität  Ingolstadt  eine
ausgeprägte  Stellung  als  wissenschaftliche  Gegnerin  der  Reformation