Die  Königl.  bayerische  1.udwig-Maximilians-Universitat  zu  München.  453

ein  (Ingolstadt  gegen  Wittenberg);  ihr  gehörte  Johann  v.  Eck  an,
der  auf  Martin  Luthers  95  Thesen  mit  18  Gegenthesen  antwortete,
woran  sich  die  Leipziger  Disputation  zwischen  Eck  und  Luther  im
Jahre  1519  reihte.

Von  Mitte  des  16.  bis  18.  Jahrhunderts  hatten  die  Jesuiten  einen
maßgebenden  Finfluß  auf  die  Besetzung  der  Lehrstühle  nicht  blof
der  theologischen,  sondern  auch  der  philosophischen  Fakultät  gewonnen.
  Als  hervorragende  Namen  unter  den  Jesuiten  sind  anzuführen:
  Peter  Canisius,  Jakob  Gretser,  Christoph  Scheiner,  Jakob  Balde.
Von  den  Lehrern  der  Juristenfakultät  in  dem  17.  Jahrhundert  und
der  ersten  Hälfte  des  18.  Jahrhunderts  seien  erwähnt:  C.  Manz,  Chr.
Besold,  der  kurze  Zeit  in  Ingolstadt  dozierte,  und  Chlingensperger.
Kriegsercignisse  und  nichr  noch  die  dauernden  inneren  Streitigkeiten
an  der  Universität  äußerten  lähmende  Einflüsse.

Der  Beginn  der  modernen  wissenschaftlichen  Entwicklung  im
18.  Jahrhundert  knüpft  in  Ingolstadt  an  das  Wirken  J.  A.  Ickstatts
an,  der  vom  Kurfürsten  Max  Joseph  II,  dessen  Lehrer  er  gewesen
war,  im  Jahre  1746  als  „Direktor“  und  Professor  für  öffentliches  Recht
nach  Ingolstadt  gesetzt  worden  war  „zur  besseren  Einrichtung  der
in  große  Abnahme  verfallenen  Universität“.  Zeitweise  wirkte  l.ori
unter  Ickstatt  im  gleichen  Sinne  der  Förderung  der  wissenschaftlichen
Freiheit.  Ickstatt  scheint  auch  den  früher  schon  aufısetauchten  Gedanken
  einer  Verlegung  der  Universität  nach  München  ernstlicher
ins  Auge  grefaßt  zu  haben.  Die  durch  die  Aufhebung  des  Jesuitenordens
  (1773)  in  der  Lehrtätigkeit  der  theologischen  Fakultät  entstandenen
  Schwierigkeiten  wurden  zunächst  durch  das  Eintreten  der
Benediktiner  beseitigt.  Von  Ingolstädter  Lehrern  aus  dem  18.  Jahrhundert
  seien  außer  den  oben  bereits  genannten  noch  folgende  angeführt:
  Theologen:  Eckher,  l.eitner,  Zech,  Sattler,  Scholliner;  Juristen:
Lippert,  Weishaupt,  Moshammer  (als  erster  Kameralist);  Mediziner:
Öbermayr,  Carl,  I.eveling,  Rousseau,  IT.eveling  jun.;  Philosophen:
Rhompberg,  Steigenberger,  Helfenzrieder,  Schlögel,  Mederer,  Schrank.

Durch  das  im  Jahre  1799  bei  der  neuen  Organisation  der  Universttät
  ins  Leben  gerufene  Kameral-Institut  wurde  die  Grundlage  für
die  Entwicklung  der  noch  heute  bestehenden  besonderen  „staatswirtschaftlichen
  Fakultät‘  geschaffen.  In  dem  Lehrplan  des  Instituts
waren  juristische  und  naturwissenschaäftliche  Disziplinen,  vor  allem
aber  außer  Kameralwissenschaft  und  Statistik  auch  Technologie,
lLand-und  Forstwirtschaft  enthalten.  Im  Verlauf  der  weiteren  Entwicklung
sind  Technologie  und  Landwirtschaft  an  die  technische  Hochschule  über-