470  Die  einzelnen  Universitäten.

Für  den  Charakter  der  neuen  Hochschule  ist  wesentlich,  daß  die  theologische
und  philosophische  Fakultät  in  die  Hände  des  Jesuitenordens  gelegt  und  das  Gymnasium
unmittelbar  mit  der  Universität  verbunden  wurde.  Die  Besetzung  der  l.ehrstühle  in  der
medizinischen  und  juristischen  Fakultät  konnte  erst  im  laufe  der  Jahre  vollzogen  werden.
Ende  1588  aber  war  der  Ausbau  der  Universitit  in  der  Hauptsache  beendet.  Auch  ihre
stantsrechtliche  Grundlage  war  gesichert,  indem  das  Dosnkapitel,  welches  lange  Zeit  der
neuen  Schöpfung  widerstrebt  hatte,  am  5.  Dezember  1587  sich  dazu  verstand,  den  ersten
Statuten  seine  Zustimmung  zu  geben.  Die  Universität  war  keine  Privatstiftung  des
Fürsten,  sondern  eine  Jandesstiltung.  Es  kann  daher  auch  keinem  Zweifel  unterliegen,
  daß  die  Bestimmungen  der  Universität,  die  anfangs  klar  und  «deutlich  auf  da-Konzilium
  von  Trient  gestellt  waren,  von  den  späteren  Tandesherren  modifiziert  werden
konnten.  Das  Recht,  die  Statuten  den  Zeitverhältnissen  entsprechend  zu  ändern,  ist
übrigens  ausdrücklich  vorgesehen.

In  ihrem  Stillleben  wurde  che  Umiversität  im  laufe  des  30  jährigen  Krieges  gestört.
Als  die  Stadt  Würzburg  von  den  Schweden  okkupiert  wurde,  löste  sich  die  Universität
von  selbst  auf.  Die  weimarische  Zwischenregierung  trug  sich  mit  dem  Gedanken,  dieselbe
  auf  protestantischer  Grundlage  neu  aufzubauen.  Allein  die  politischen  Freignisse
bereiteten  ihrem  Wirken  1634  ein  jähes  Ende.  Mit  dem  1.  Oktober  1636  beginnt
wieder  die  Immatrikulation  nach  altem  Stile.

Fıwas  Bedeutsames  läßt  sich  aus  dem  Wirken  der  Universität  in  der  er-ten  Zeit
ihres  Bestandes  nicht  herausheben.  llöchstens  wären  die  Jesuitenpatres  Anast.  Kircher
(1629—  1631)  und  Casp.  Schott  (1655—1666)  zu  nennen,  die  sich  mit  physikalischen  Experimenten
  beschäftigten.

Die  erste  Schmälerung  der  Machtstellung  der  Jesuiten  an  der  Universität  trat  ein,
als  Johann  Philipp  von  Schönborn  1654  die  Direktion  des  Klerikalseminars  den  Bartholomiten
  (einem  Verem  von  Weltgeistlichen  mit  gemeinsamem  L.eben)  übertrug.  Auch
als  im  Jahre  1679  diese  im  Hochstift  aufgehoben  wurden,  kam  die  Leitung  des  geistlichen
  Seminars  nicht  mehr  an  den  Jesuitenorden  zurück.  Der  exklusiv  katholische
Charakter  der  Universität  lockerte  sich  weiter,  als  Friedrich  Karl  v.  Schönborn  (1729
bis  1746)  in  einer  beachtenswerten  Studienordnung  auch  nichtkatholischen  christlichen
Studierenden  den  Zugang  zur  Universität  eröflnete,  wenngleich  sie  noch  von  den  akademischen
  Graden  ausgeschlossen  blieben.  Solche  konnten  Protestanten  erst  seit  1776  in
der  Medizin  erlangen.

Unter  Adam  Friedrich  v.  Scinsheim  (1755—  1779)  fing  der  Jesuitismus,  auf  dein
unsere  Wlochschule  aufgebaut  war,  noch  mehr  ins  Wanken  zu  geraten,  ja  zum  Teil
scheinen  die  Patres  bereits  an  sich  selbst  irre  geworden  zu  sein,  wie  die  Tatsache  beweist,
  daß  P.  Burghäuser  1767  \Wolfsche  Philosophie  zu  lesen  begann.  Energischer
gegen  den  Orden  vorzugehen,  wie  es  geplant  war,  erübrigte  sich,  da  dieser  1773  von
Papst  Clemens  XIV.  aufgehoben  wurde.

Damit  tritt  die  Universität  in  ihre  11.  Periode.  Es  war  jetzt  der  Boden  für
Refurmen  geschaffen,  und  solche  blieben  auch  nicht  aus.  Das  merkwürdigste  Faktum
ist,  daß  Pr.  Maternus  Reuß,  ursprünglich  Arzt,  später  Benediktiner  und  Professor  der
Philosophie,  der  sich  für  das  Kant’sche  System  begeistert  hatte,  von  dem  Fürstbischof
Franz  Ludwig  von  Erthal  (1777-1795)  ein  Stipendium  erhielt,  un  nach  Königsberg  zu
reisen  und  sich  persönlich  mit  Kant  in  Beziehungen  zu  setzen.  Vie  Vorlesungen,  die
dann  Reuß  in  Würzburg  über  Kant'sche  Philosophie  bielt,  fanden  ungeheuren  Beifall,
und  der  Fürstbischof  schützte  auch  den  Professor  gegen  die  Angriffe  seiner  geschäftigen
Gegner.

Die  Aufklürung  drang  selbst  m  die  theologische  Fakultät  ein,  wo  wir  eine  Reihe
fortgeschrittener  Professoren  wie  Oberthür,  Onyinus,  Berg  finden.  Die  lateinische
Sprache  wurde  in  dieser  Fakultät  in  ihrer  Anwendung  eingeengt  und  die  deutsche  kam