Die  Königl.  Bayerische  Julius  Maximilians-Universität  zu  Würzburg.  474

trotz  aller  anfänglichen  Abneigung  auch  bei  den  andern  Fakultäten  immer  mehr  in
Aufiahme.  Die  Lektionskataloge  erscheinen  seit  W.-S.  1786,87  in  deutscher  Sprache.

1794  wurde  die  unnatürliche  Verbindung  des  Gymnasiums  mit  der  Universitüt
gelöst  und  damit  die  philosophische  Fakultät  erst  den  drei  andern  Fakultäten  ebenbürtig
gemacht.  Die  Professur  für  die  Profangeschichte,  die  auf  Anregung  des  bekannten  Geschichtsschreibers
  M.  J.  Schmidt  vun  der  Kirchengeschichte  abgetremmt,  aber  noch  in  der
theologischen  Fakultät  festgehalten  worden  war,  wurde  nun  in  die  philosophische  Fakultät
  übergeführt.  Die  Aufklärungstendenzen  erhielten  in  den  Würzburger  „Gelehrten
Anzeigen“  ein  eigenes  Organ,  für  das  der  Fürstbischof  sogar  Zensurfreiheit  und  eine
Unterstützung  aus  Universitätsmitteln  gewährte.  Die  juristische  Fakultät  zählte  einige
tüichtige  Vertreter,  die  medizinische  wurde  mit  einer  Keihe  neuer  Attribute  bereichert,
und  mit  den  verschiedenen  Personen  des  Geschlechts  Siebold  beginnt  ihr  Emporblühen.
Kein  Wunder,  wenn  beim  Jubiläum  1782  Franz  ludwig  von  Ertlal  die  Genugtuung  erlebte,
  daß  man  seine  Universität  «die  beste  katholische  nach  Wien  nannte.

Nach  dieser  kurzen  Epoche  beginnt  eine  neue  III,  als  das  Wochstift  1802  an
Kurbayern  kam.  Durch  das  Religionsedikt  vom  20.  Januar  1803  wurden  „allen  christlichen
Religionsverwandten“  in  den  fränkischen  Provinzen  gleiche  Rechte  und  gleiche  Religionsübung
  zugesichert.  Dieser  Schritt  nıußte  auch  die  Verfassung  der  Universität
gänzlich  umgestalten  und  die  ausschließliche  Merrschaft  des  Katholizismus  an  derselben
  brechen.

Die  Universität  erhielt  am  11.  November  1803  eine  OÖrganisationsakte,  die  in  demselben
  Geiste  verfaßt  ist,  wie  die  von  Friedrich  Karl  am  9.  Mai  1803  für  lleidelberg
gegebene.  Die  Fakultätverfassung  wurde  darin  aufgehoben,  die  Lehrfächer  wurden  in
zwei  große  Gruppen:  allgemeine  und  besondere  Wissenschaften,  und  jede  wieder  in
4  Sektionen  zerlegt.  Vie  Sektionen  der  ersten  Gruppe  umfaßten  die  philosophischen
Wissenschaften  im  engern  Sinne,  die  matheinatischen  und  Naturwissenschaften,  die  Giesehichtswissenschaften
  mit  Einschluß  der  Kulturgeschichte,  Literaturgeschichte  und  Geschichte
  der  Wissenschaften  überhanpt,  die  schönen  Künste  und  philologischen  Disziplinen,
die  zweite  die  theologischen,  juristischen,  staatswirtschaftlichen  und  medizinischen  Disziplinen.
  Die  einschneidendste  Mußregel  war,  daß  die  protestantische  Theologie  in  den
Universitätsorganismus  eingefüigt  und,  was  für  den  Geist  jener  Zeit  bezeichnend  ist,  mit
der  katholischen  Theologie  zu  einer  „Sektion  der  für  die  Bildung  des  religiösen  Volkslehrers
  erforderlichen  Kenntnisse“  vereinigt  wurde.  Die  staatwirtschaftliche  oder  kameralistische
  Sektion  hatte  einen  technischen  Charakter,  sie  umfaßte  I.andwirtschuft,  Berg-,
Forstwissenschaft,  Technologie,  lHandlungswissenschaft.  In  der  medizinischen  Sektion
war  auch  die  Thierarzneikunde  vorgeseben.  Weiterhin  war  wichtig,  daß  das  Institut  der
Privatelozenten  eingeführt  wurde.  Berufungen  wurden  in  großartirem  Maßstab  eingeleitet:
  Paulus,  Daub,  ITufeland,  Succow  und  andere  wurden  gewonnen.  Die  bedeutendste
Akquisition  war  die  des  Philosophen  Schelling.

Die  Universität  nahm  unter  diesem  System  einen  ungeahnten  Aufschwung;  die
Zuhörerzahl  stieg  aufs  doppelte.

Leider  war  dieser  Blüte  nur  eine  kurze  Dauer  beschieden.  1806  fiel  das  ehemalige
llochstift  als  Großherzogtum  an  Ferdinand  von  Toskana,  damit  begann  die  IV.  Periode,  die
Restauration.  Die  Universität  war  dem  neuen  Illerrscher  sichtlich  unbequem.  Die
engherzige  Regierung  wagte  zwar  nicht  sie  aufzuheben,  aber  sie  gab  der  Universität  am
7.  September  1809  eine  neue  Organisationsakte.  Ihre  "endenz  leuchtet  gleich  aus  den
Kingangsworten  hervor,  in  denen  der  Universität  der  Charakter  einer  katholischen  gegeben
wird.  Ja  die  Regierung  ging  sogar  soweit,  daß  sie  die  Universität  lediglich  als  eine
katholische  Stiftung  zu  konstituieren  suchte  und  auch  konsequent  sie  auf  ihre  eigenen
Einnahmen,  unter  Ausschluß  von  Staatszuschüssen,  verwies  ($  82).  Die  Fakultätsverfassung
wurde  wieder  hergestellt,  da  die  Mängel  der  zum  Teil  zu  kleinen  Sektionen  zu  sehr  zu-