Die  Königl.  Bayerische  Julius-Maximilians-Universität  zu  Würzburg.  473

der  damals  genialste  Mann  unserer  Universität,  der  berühmte  Kliniker
Schönlein,  dieser  Strömung  zum  Opfer  fiel.

Mit  dem  Regierungsantritt  des  für  die  Wissenschaften  begeisterten
Königs  Max  II.  hebt  eine  neue,  die  VI.  Epoche,  an;  die  volle  akademische
  Lehr-  und  Lernfreiheit  wurde  gewährt;  er  und  sein  Nachfolger
Ludwig  II.  waren  aufs  ernstlichste  bestrebt,  die  Universität  zu  fördern,
und  trotz  mancher  historisch  erklärbarer  Schwierigkeiten  ist  ihnen
das  auch  in  hohem  Maße  gelungen.  In  den  Bahnen  dieser  edlen
Vorgänger  bewegt  sich  auch  das  milde  Regiment  des  Prinzregenten
Luitpold.

In  der  äußeren  Organisation  ist  als  bemerkenswert  hervorzuheben,
dat  am  15.  August  1822  eine  staatswirtschaftliche  Fakultät  mit  5  Professoren
  errichtet  wurde;  dieselbe  war  nicht  lebensfähig,  da  sie  keinen
eirenen  Grundstock  von  Studenten  hatte;  sie  wurde  daher  am  5.  November
  1878  aufgelöst  und  mit  der  juristischen  zu  ciner  rechts-  und
staatswissenschaftlichen  Fakultät  verschmolzen.  Die  Technologie  kanı
in  die  philosophische  Fakultät,  die  übrigen  technischen  Disziplinen
hatte  man  im  Lauf  der  Jahre  nicht  mehr  besetit.

Eine  tief  einschneidende  Maßregel  war  die  Teilung  der  philosophischen
  Fakultät  in  zwei  Sektionen:  in  cine  philologisch-historische
  und  cine  naturwissenschaftlich-mathematische.  Diese  Sektionen
sind  im  Grunde  genommen  ?  Fakultäten,  da  sic  in  Promotions-,  Habilitations-
  und  Berufungssachen  getrennt  verhandeln  und  nur  noch  den
Dekan  und  einige  wenige  Materien  gemeinsam  haben.  Diese  Teilungr
erfolgte  durch  Verordnung  vom  29.  September  1873.

Im  19.  Jahrhundert  gelangten  die  medizinische  Fakultät  und  die
Naturwissenschaften  zu  ganz  besonderer  Blüte.  Die  Neubauten  für
die  medizinischen  und  naturwissenschaftlichen  Fächer  fallen  fast  ganz
in  die  Regierung  Ludwigs  I.  und  des  derzeitigen  Herrschers  Prinzregrenten
  Luitpold.

Da  auch  die  anderen  Fakultäten,  besonders  die  rechts-  und
staatswissenschaftliche,  einen  bedeutenden  Aufschwung  erlebten,  erwies
sich  das  alte  chrwürdige  Universitätsgebäude  trotz  der  Auswanderung
verschiedener  naturwissenschaftlicher  Institute  zu  klein  und  nicht  mehr
seinen  Zwecken  genügend.  Man  entschlofß  sich,  dasselbe  in  der  Hauptsache
  der  Bibliothek  zu  überlassen,  und  am  Sanderring  erhob  sich
ein  prächtiger  Neubau,  der  am  28.  Oktober  1896  seiner  Bestimmung
übergeben  wurde.