Die  König].  Bayerische  Julius-Maximillans-Universität  zu  Würzburg.  477

mystisch  angehauchter  Philologe;  Ludwig  Urlichs  1855—1889),  ein
vielseitiger  Gelehrter,  der  zum  ersten  Mal  in  \Vürzburg  die  Philologie
in  moderner  Auffassung  vertrat;  W.  Studemund  (1868—  1870),  berühmter
  Palimpsestentzifferer,

Unter  den  Hlistorikern  ragen  als  erste  Forscher  hervor  Georg
v.  Eckhard  (7  1730,,  früher  Gehilfe  von  Leibnitz  in  dessen  historischen
Arbeiten;  Ign.  Mich.  Schmidt  (1771—  1780),  Verfasser  des  Werkes
„Geschichte  der  Deutschen“.  Aus  der  neueren  Zeit  ist  F.NX.  Weecle
  (1857—  1897)  zu  nennen.

Als  erster  namhafter  Vertreter  der  germanischen  Philologie  erscheint
  Math.  L.exer  (1869—  1891),  hervorragend  in  der  deutschen
Lexikorraphie.

Von  den  Philosophen  wirkten  hier  außer  dem  schon  früher  erwähnten
  Reuß  der  berühmte  Friedr.  Schelling  (1803—1808),  ferner
Joh.  Jac.  Wagner  (1803—  1809,  1815—1834),  und  Franz  Hoffmann
(1835—  1881),  warmer  Anhänger  der  Baaderschen  Philosophie  und
Herausgeber  seiner  Werke.

Fr.  Jos.  Fröhlich,  Professor  der  Ästhetik  und  Pädagogik  (1804
bis  1855)  gründete  ein  musikalisches  Institut,  aus  dem  die  jetzige
königliche  Musikschule  hervorgingr.

2.  Gegenwärtiger  Zustand  (Sommer  I9%3j*).

Die  katholische  theologische  Fakultät  zählt  7  ordentliche*":
Professoren,  1  außerordentlichen  (für  semitische  Sprache  und  Literatur
seit  1894  und  2  Privatdozenten.  Es  besteht  ein  theologisches  Konrvikt,
dessen  Anfinge  bis  1574  zurückreichen.  Sein  jährlicher  Ausgabectat
beträgt  rund  50000  Mark.  Zu  den  Attributen  der  theologischen  Fakultät
  gehören  ein  homiletisches  Seminar  (scit  1861),  mit  601  Mark  R.,  ein
kirchenhistorisches  Seminar  (gegründet  1884)  mit  500  Mark  R.,  cin
Seminar  für  alt-  und  neutestamentliche  Exegese  mit  400  Mark  R.,
ein  Seminar  für  semitische  Sprachen  mit  175  Mark  R.,  cin  patristisches
Seninar  (gegründet  1886)  mit  80  Mark  R.  Jahresetat.

Die  rechts-  und  staatswissenschaftliche  Fakultät  zählt

*)  Bezüglich  der  Ktatsummen  der  einzelnen  im  Folgenden  vorgeführten  Institute
wird  bemerkt,  daß  nur  die  ordentlichen  (ständigen)  Bewilligungen  berücksichtigt  sind;
mit  R.  ist  der  Reulbedarf,  mit  P.  der  Personalbedarf  bezeichnet:  in  letzterem  Ist  nicht
das  Gehalt  des  Instituivorstandes,  wohl  aber  das  der  Assistenten,  Diener  usw,  enthallen;
freie  Dienstwohnungen  sind  nicht  gerechnet.

"*)  v.  Scholz,  Kihn,  Göpiert,  Schell,  Abert,  Weber,  Merkle.